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Zweite Weltreise mit Kindern – alles verkauft und auf nach Kanada

Ein ganz normaler Familienalltag, zwei Kinder in Schule und Kindergarten, Arbeit im Homeoffice, ein gemietetes Haus voller Dinge. Und dann, ein halbes Jahr später: fast alles verkauft, das Wohnmobil auf dem Schiff und ein One-Way-Aufbruch nach Kanada.

Für unsere zweite Weltreise mit Kindern wollten wir nicht einfach nur länger verreisen. Diesmal haben wir Deutschland wirklich verlassen, die Wohnung gekündigt und uns gegen ein Lager voller zurückgelassener Sachen entschieden. Von der Büroklammer bis zur Küche sollte fast alles weg.

In Folge 23 des NomadKids Podcasts erzählen wir, wie sich dieser Abschied angefühlt hat, warum das Verkaufen viel anstrengender als ein Umzug war und wie unsere ersten Wochen zwischen Halifax, Nova Scotia und der Einreise in die USA verliefen. Außerdem sprechen wir darüber, wie wir das Lernen mit zwei schulpflichtigen Kindern unterwegs organisieren.

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Die zweite Weltreise sollte kein Abschied auf Probe werden

Bei unserer ersten Weltreise hatten wir die sanftere Variante gewählt: untervermieten, vieles behalten und wissen, dass zu Hause noch ein vertrauter Alltag wartet. Diesmal war die Entscheidung konsequenter. Wir kündigten unser gemietetes Haus, meldeten uns aus Deutschland ab und trennten uns von fast allem, was sich über die Jahre angesammelt hatte.

Die eigentliche Reiseplanung war dabei gar nicht der größte Brocken. Flüge buchen, die Verschiffung organisieren – das war überschaubar. Viel mehr Zeit kostete die Frage: Wie leert man ein ganzes Familienhaus, ohne am Ende in Panik alles wegwerfen zu müssen?

Etwa sechs Monate vor dem Start Anfang August begannen wir mit dem Verkauf. Unser Ziel: jeden Tag drei Dinge inserieren. Kleinanzeigen, Vinted, Flohmärkte und ein eigener Garagenflohmarkt wurden für Monate Teil unseres Alltags.

Jeden Tag verkaufen – und trotzdem wird das Haus nicht leer

Am Anfang fiel kaum auf, dass Dinge verschwanden. Täglich holte jemand etwas ab, über Wochen und Monate. Trotzdem sah das Haus erstaunlich lange fast unverändert aus.

Es war irgendwie erschreckend, dass man so viele Sachen besitzt, die man nicht bemerkt, wenn sie nicht mehr da sind.

Wir hielten uns vorher durchaus für minimalistisch. Viel Deko hatten wir nicht, jedenfalls nicht nach unserem Gefühl. Doch sobald Regale, Keller und Schränke Stück für Stück geleert wurden, zeigte sich, wie viel Besitz unbemerkt herumsteht – und wie viel Geld darin gebunden ist.

Verkauft wurde wirklich alles Mögliche: Küche, Couch, Betten und Auto, aber auch Bettwäsche, Stoffbeutel, alte Kissenbezüge, ein Aquarium, Werkstattregale, Farbdosen und Einmachgläser. Es entstand sogar eine Art Stammkundschaft, die regelmäßig vorbeikam und gespannt war, was als Nächstes angeboten wurde.

Man hat so viel Geld in Dingen rumstehen, die nicht unbedingt nötig sind. Das fand ich sehr, sehr faszinierend.

Nicht alles ließ sich verkaufen. Kleidung ging an einen Rotkreuzladen, andere Sachen stellten wir zum Verschenken an die Straße. Dort verschwand zuverlässig alles – manchmal inklusive der Körbe, in denen wir die Dinge hübsch angerichtet hatten. Selbst ein Hinweis, bitte nur den Inhalt mitzunehmen, half nicht. Danach gab es nur noch Pappkartons ;)

Aus Haus wird Baustelle wird Matratzenlager

Ein bis zwei Monate vor der Abreise mussten auch die großen und im Alltag wichtigen Dinge gehen. Erst verschwanden Betten, dann Couch und Fernseher. Die Kinder zogen zusammen und schliefen auf einer Matratze auf dem Boden. Wir irgendwann auch.

Weil wir das Haus gestrichen übergeben mussten, arbeiteten wir uns Zimmer für Zimmer vor. Fertige Räume wurden abgesperrt, unser Schlafplatz wanderte vom Schlafzimmer in den Keller und später ins Wohnzimmer. Eine Toilette blieb eineinhalb Monate unbenutzbar, damit die frisch gestrichenen Wände auch wirklich frisch blieben.

Die letzten Wochen waren deshalb alles andere als romantische Reisevorfreude. Verkaufen, Dinge wegbringen, streichen, Verträge kündigen, Abmeldung erledigen und das Wohnmobil von Bayern nach Hamburg bringen: Fast einen Monat lang bestand der Alltag im Wesentlichen aus dieser Liste.

Ein klassischer Umzug wäre leichter gewesen. Dabei packt man sein Leben in Kisten und fährt es an einen neuen Ort. Wir mussten dagegen für fast jeden Gegenstand entscheiden, wo er hinkommt, einen Käufer finden oder ihn spenden und gleichzeitig einen festen Übergabetermin einhalten. Noch am Abflugtag brachten wir alte Matratzen zum Wertstoffhof.

Warum wir keinen Lagerraum gemietet haben

Natürlich hatten wir über Storage nachgedacht. Ein Angebot für ungefähr zehn Quadratmeter lag bei rund 300 Euro monatlich – also etwa 3.500 Euro im Jahr. Über mehrere Jahre hätte die Lagerung schnell mehr gekostet als viele der aufbewahrten Gegenstände.

Gerade Elektrogeräte werden durch jahrelanges Herumstehen nicht wertvoller. Deshalb entschieden wir uns, lieber früh und möglichst zu einem guten Preis zu verkaufen. Ein paar Kisten mit Fotoalben, Erinnerungen der Kinder und Dingen, von denen wir uns wirklich nicht trennen wollten, kamen bei unseren Eltern unter. Der große Rest ging.

Unser Tipp fürs Auflösen eines Haushalts

Beginnt mehrere Monate vor dem festen Auszugstermin und setzt euch ein kleines tägliches Ziel. Drei Inserate pro Tag wirken machbar und summieren sich schnell. Verkauft Wertvolles früh, spendet oder verschenkt den Rest rechtzeitig und bewahrt nur Dinge auf, die euch emotional wirklich wichtig sind. Die letzten Wochen werden trotzdem intensiv – aber ihr müsst dann nicht das ganze Haus auf einmal leeren.

5.000 Euro für die Verschiffung – und ein überraschendes Ergebnis

Das Bargeld aus den Kleinverkäufen sammelten wir ganz klassisch in einer Spardose. Unsere Idee war, damit die Wohnmobilverschiffung zu finanzieren, die nach unserer damaligen Erfahrung ungefähr 4.500 bis 5.000 Euro kostete.

Wichtig: Auto und große Möbel rechneten wir für dieses Ziel nicht mit. Es ging wirklich um all die kleineren Dinge, die einzeln oft unscheinbar wirken.

Am Ende kamen allein dadurch ungefähr 12.000 bis 13.000 Euro zusammen. Mehr als doppelt so viel wie erhofft.

Das ist natürlich kein Gewinn. Neu hatten all diese Sachen wesentlich mehr gekostet. Aber die Summe machte sehr sichtbar, wie viel Kapital über Jahre in Tonie-Figuren, Taschen, Teppichen, Küchendingen und all dem anderen Kleinkram steckte.

Der letzte große Unsicherheitsfaktor: das Auto

Bei unserer ersten Weltreise hatten wir mitten im Gebrauchtwagenboom verkauft und nach drei Jahren Nutzung sogar mehr für das Auto bekommen als beim Kauf. Diesmal war die Lage anders.

Obwohl unser Auto erst zwei Jahre alt war, fand sich lange kein passender Käufer. Erst zwei Wochen vor der Abreise wurde es verkauft – zu einem niedrigeren Preis als erhofft. Das war eine der Sachen, die bis kurz vor Schluss im Kopf blieben: Was machen wir, wenn es nicht weggeht?

Es ging weg. Und als dann auch das Haus leer, die letzten Matratzen entsorgt und die Abschiede geschafft waren, blieb kaum Raum für Traurigkeit. Vor allem war da Erleichterung. Die riesigen Arbeitsbrocken lagen hinter uns. Wir stiegen ins Flugzeug, machten einen günstigen Zwischenstopp in Irland und kamen in Kanada an.

Wohnmobilabholung in Halifax: drei Stationen und viel Papier

Unser Wohnmobil war nach Halifax verschifft worden. Ostkanada kannten wir noch nicht, Baltimore dagegen schon – deshalb wollten wir dieses Mal eine neue Route ausprobieren.

Oft heißt es, Halifax sei für eine Fahrzeugabholung einfacher als Baltimore. Unsere Erfahrung war eher: anders kompliziert. Mit Spediteur, Zoll und Hafen mussten wir drei voneinander entfernte Stationen anfahren. Das bedeutete Mietwagen, Gespräche mit mehreren Stellen und entsprechend viel Papierkram.

Das Wohnmobil verspätete sich um zwei Tage, war aber rechtzeitig zum geplanten Abholfreitag da. Das war wichtig, denn am Montag folgte ein Feiertag. Sonst hätten zusätzliche Hotel- und Mietwagentage schnell viel Geld gekostet.

Unsere größte Sorge war unbegründet: Das vollgepackte Wohnmobil kam unversehrt an, und nichts fehlte. Weil wir diesmal keine Zwischenwand einziehen durften und alle Schlüssel abgeben mussten, hatten wir uns vorher durchaus Gedanken über Diebstahl gemacht.

Housesitting als Puffer für die ersten Tage

Für die Zeit rund um die Ankunft hatten wir vorsorglich einen Housesit organisiert. Falls das Schiff später angekommen wäre, hätten wir so nicht tagelang spontan ein teures Hotel gebraucht.

Am Ende wurde der Housesit auch ohne große Verspätung zum perfekten Übergang. Vier Tage lang lebten wir in einem schönen Haus mit Garten, zwei Französischen Bulldoggen, Hühnern, Fischen und einem Reptil. Die Kinder waren mit den Tieren beschäftigt, während wir das komplett vollgestopfte Wohnmobil sortierten, die Garage organisierten und unsere Heckbox montierten.

Erst danach begann das eigentliche Unterwegssein durch Nova Scotia. Wir fanden tolle Strände und schöne Stellplätze. Wegen hoher Waldbrandgefahr galten jedoch Einschränkungen fürs Wandern und Campen in Wäldern. Da viele unserer Plätze von Bäumen umgeben waren und wir keine Vorschriften riskieren wollten, fuhren wir früher weiter als ursprünglich gedacht.

Knapp ein Monat Ostkanada – dann weiter in die USA

Insgesamt waren wir knapp einen Monat in Ostkanada unterwegs. Nova Scotia hat uns landschaftlich besonders gefallen. Danach ging es durch New Brunswick, Québec und Ontario Richtung Michigan.

Die großen Städte wie Toronto, Montréal oder Ottawa ließen wir bewusst aus. Mit dem Wohnmobil wollten wir nicht hinein, und klassische Städtetrips sind ohnehin nicht unser Schwerpunkt. Unser Eindruck bezieht sich deshalb vor allem auf die Natur: viel Wald, viele Seen, riesige Distanzen – ein bisschen wie Schweden in sehr groß.

Die Einreise in die USA verlief viel unkomplizierter als manche Berichte im Internet vermuten ließen. Ganz vorbereitet waren wir trotzdem nicht. Neben unserem B2-Visum brauchten wir bei der Einreise auf dem Landweg auch ein I-94. Das Dokument kostete damals sechs US-Dollar pro Person. Weil wir es erst an der Grenze erledigten, dauerte die Einreise etwas länger, war aber kein Problem.

Schule im Wohnmobil: 50 Kilo Material und viel Flexibilität

Der größte Unterschied zur ersten Weltreise: Diesmal waren beide Kinder schulpflichtig. Wir entschieden uns für die Deutsche Fernschule, weil deren Konzept zu unserem Reisealltag passt.

Live-Unterricht zu festen Uhrzeiten wäre für uns schwierig. Wir möchten nicht mitten in einer Fahrt, einem Ausflug oder einer Zeitverschiebung alles stehen und liegen lassen müssen. Mit der Fernschule bekamen wir das komplette Material und einen Leitfaden, an dem wir uns flexibel entlanghangeln können.

Flexibel heißt allerdings nicht leicht: Rund 50 Kilogramm Schulmaterial für ein Jahr mussten im Wohnmobil verstaut werden. Dafür können wir selbst entscheiden, wann, wie lange und welche Fächer wir lernen.

Unser Rhythmus in den ersten Wochen: ein bis zwei Fächer pro Tag, dafür an sieben Tagen in der Woche und zunächst ohne klassische Ferienblöcke. Die Einheiten sind abwechslungsreich – mit Kreide auf dem Boden, Springseil, Handpuppen, Buchstaben auf dem Rücken und natürlich auch mit Heften. Unterschiedliche visuelle, auditive und haptische Lernwege wechseln sich ab.

Besonders hilfreich ist für uns die Rollenverteilung. Die Inhalte gibt die Schule vor. Wir müssen nicht jeden Abend selbst Unterricht erfinden, sondern begleiten als „Lernhilfe“. Dadurch entstehen weniger Diskussionen darüber, warum heute genau diese Aufgabe dran ist.

Schon nach dem ersten Monat merkten wir Fortschritte. Bei unserer Tochter platzte beim Zehnerübergang in Mathe ein Knoten, nachdem wir das Thema täglich eins zu eins üben konnten. Vor dem Homeschooling hatten wir Respekt. Im tatsächlichen Alltag funktionierte es zu diesem Zeitpunkt erstaunlich gut und machte den Kindern Freude.

Die Route bleibt ein Plan mit Fragezeichen

Als wir die Folge aufnahmen, standen wir in Kentucky. Einige Eckpunkte für die nächsten Monate waren bereits gesetzt: ein Housesit auf einer Farm in Texas, anschließend Arizona, Nevada und Utah mit ihren Wüsten und Nationalparks, ein Familienbesuch in Florida und Weihnachten bei einem weiteren Housesit.

Für Anfang des nächsten Jahres planten wir die Baja California. Dort wollten wir im Warmen überwintern und zur Grauwalsaison am Meer sein. Danach sollte es wieder an der US-Westküste nach Norden gehen – vielleicht zurück nach Kanada und eventuell sogar bis Alaska.

Ob es genau so kommen würde? Das wussten wir nicht. Unsere Reisepläne ändern sich gern. Aber genau deshalb gibt es Eckpunkte und dazwischen Platz für alles, was unterwegs passiert.

Was von diesem Aufbruch bleibt

Fast den gesamten Besitz zu verkaufen war kein leichter, befreiender Nachmittag, sondern monatelange Arbeit. Es wurde unbequem, chaotisch und zum Schluss ziemlich anstrengend. Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wenig von all den Dingen im Alltag tatsächlich fehlt, sobald sie weg sind.

Der Moment am Flughafen fühlte sich deshalb weniger nach Verlust als nach Aufbruch an. Nicht weil uns Abschiede egal waren, sondern weil nach den letzten Wochen endlich wieder Platz für Vorfreude da war.

Unsere zweite Weltreise begann nicht erst in Kanada. Sie begann mit dem ersten Gegenstand, den wir sechs Monate vorher inserierten – und mit der Entscheidung, diesmal nicht nur auf Zeit zu verschwinden, sondern wirklich loszulassen.

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