Weltreise mit Kindern in vier Monaten planen – Elli und Bernis ehrlicher Rückblick
Vier Wochen Norwegen – das war der ursprüngliche Plan. Dann saßen Elli und Berni an Silvester zusammen, kamen ins Träumen und stellten sich diese eine Frage, aus der manchmal ein ganz neues Leben entsteht: Warum eigentlich nicht?
Aus vier Wochen wurden zwölf Monate. Aus einer Idee auf dem Vision Board wurde eine Weltreise mit zwei Kindern, damals drei und fünf Jahre alt. Und zwischen Entschluss und Abreise lagen gerade einmal vier Monate.
Das klingt herrlich spontan. Aber natürlich mussten in dieser kurzen Zeit trotzdem Arbeitgeber, Elternzeit, Haus, Wohnmobil, Flüge und der bevorstehende Schulstart geklärt werden. Im NomadKids Podcast erzählen Elli und Berni, warum der knappe Zeitplan zu ihnen passte, welche Planung unterwegs weiterging und weshalb eine Weltreise als Familie nicht automatisch jahrelange Vorbereitung braucht.
Von der Silvesteridee zur Abreise vier Monate später
Ganz neu war der Gedanke ans lange Reisen nicht. Elli und Berni hatten unsere eigenen Weltreisepläne miterlebt und wussten dadurch, dass sich ein Wohnmobil nach Nordamerika verschiffen lässt. Für sich selbst hatten sie diese Möglichkeit aber lange nicht wirklich in Betracht gezogen.
An Silvester 2021/2022 änderte sich das. Die beiden setzten die Weltreise mit Start im Juni auf ihr Vision Board. Aus dem Bild, das zunächst einfach vor ihnen hing, wurde in den folgenden Wochen eine echte Entscheidung.
„Wir haben das irgendwie ganz lang nicht für uns für möglich gehalten. Und an Silvester war das dann plötzlich so: Hey, warum eigentlich nicht?“
Die kurze Vorbereitungszeit war dabei keine Empfehlung, die sie jeder Familie überstülpen würden. Elli und Berni beschreiben sich selbst als spontan. Wenn eine Idee für sie stimmig ist, möchten sie nicht erst zwei Jahre auf den Start warten. Genau deshalb funktionierten die vier Monate für sie – obwohl es zwischendurch natürlich stressig wurde.
Der entscheidende Unterschied: Sie planten nicht sofort jedes Detail der Reise. Zuerst klärten sie die Punkte, an denen das ganze Vorhaben tatsächlich hätte scheitern können.
Erst die großen Hebel klären
Bernis berufliche Auszeit ließ sich über Elternzeit organisieren. Elli war bereits selbstständig und musste ihre Tätigkeit nicht von einem Arbeitgeber freigeben lassen. Ihr war zunächst gar nicht bewusst gewesen, dass die noch verfügbare Elternzeit auch vom Vater genommen werden konnte. Für Berni bedeutete das ein unbezahltes Jahr Pause vom Job – und zugleich einen festen zeitlichen Rahmen für die Reise.
Der zweite große Punkt war das Haus. Es sollte untervermietet werden, damit die laufenden Kosten zu Hause möglichst weit sinken. Eine erste Zusage platzte, nachdem die Reiseplanung schon weitergelaufen war. Am Ende klappte die Untervermietung erst von unterwegs aus.
Spätestens mit dem unterschriebenen Untermietvertrag und dem verschifften Wohnmobil wurde aus dem Plan etwas Unumkehrbares. Ein Flug lässt sich vielleicht stornieren. Aber wenn andere Menschen in das eigene Haus einziehen und das Wohnmobil auf dem Weg nach Amerika ist, wird das Zurückrudern deutlich komplizierter.
„Okay, das Ding ist jetzt auf dem Weg nach Amerika. Jetzt gibt es eigentlich kein Zurück.“
In den letzten zwei Wochen vor der Abreise kam vieles gleichzeitig zusammen. Das Wohnmobil war bereits unterwegs, das Haus musste vorbereitet werden und mehrere Deadlines liefen parallel – mit zwei kleinen Kindern mittendrin. Die Zweifel bedeuteten aber nicht, dass die Entscheidung falsch war. Sie waren schlicht ein Teil davon, eine sehr große Idee in sehr kurzer Zeit umzusetzen.
Weltreiseplanung in kurzer Zeit: Elli und Bernis sinnvollste Reihenfolge
Klärt zuerst die Punkte, die über das grundsätzliche „Ja“ entscheiden: berufliche Auszeit, Finanzierung, Wohnung oder Haus und die Betreuung beziehungsweise Schule der Kinder. Route, einzelne Flüge und Unterkünfte müssen dagegen nicht komplett feststehen. Viele organisatorische Schritte lassen sich ohnehin erst in den letzten Wochen oder Monaten erledigen.
Eine Route mit Fixpunkten statt komplettem Jahresplan
Der Start in Nordamerika ergab sich aus dem eigenen Wohnmobil. Die Familie konnte es von zu Hause losschicken und nach der Verschiffung in den USA übernehmen. Für die ersten Monate standen deshalb zwei große Eckpunkte fest: ungefähr drei Monate Amerika und anschließend Neuseeland, wo bereits ein Camper reserviert war. Dazwischen legten sie einen Aufenthalt auf Tahiti ein.
Mehr war zunächst nicht fest gebucht. Nach Neuseeland verbrachten sie den Jahreswechsel auf den Fidschi-Inseln, reisten weiter nach Singapur, Malaysia und Thailand und blieben dort etwa sechs bis sieben Wochen. Thailand kannten Elli und Berni schon von früheren Reisen und bezeichnen es als ihre „Heimat des Herzens“.
Danach ging es relativ spontan zurück nach Deutschland. Das Wohnmobil war inzwischen wieder aus den USA nach Europa verschifft, von Ellis Vater in Bremerhaven abgeholt und eingewintert worden. Für die letzten drei Reisemonate stieg die Familie erneut in ihr rollendes Zuhause und fuhr durch Österreich, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal.
Diese Route zeigt ziemlich gut, dass Planung und Spontaneität keine Gegensätze sein müssen. Fest gebuchte Anker gaben Sicherheit. Die freien Monate dazwischen ließen Raum für Energielevel, Wünsche und neue Ideen.
Reisen mit drei- und fünfjährigen Kindern
Die Kinder konnten das Ausmaß eines ganzen Reisejahres vor dem Start kaum greifen. Vor allem für ein dreijähriges Kind ist „ein Jahr“ noch eine sehr abstrakte Größe. Elli und Berni fragten zunächst, was die beiden von einer Weltreise halten würden, erklärten das Vorhaben und erlebten keine große Gegenwehr.
Reisen war für die Kinder ohnehin nicht neu. Die Familie war zuvor unter anderem länger in Thailand und Sri Lanka unterwegs gewesen. Der Abschied von den Großeltern wurde außerdem durch regelmäßige Telefonate leichter. Zur Halbzeit besuchten Ellis Eltern die Familie für mehrere Wochen in Thailand – eine schöne Wiedersehenszeit und für die Eltern auch die Gelegenheit, nach einem halben Jahr rund um die Uhr als Familie wieder etwas zu zweit zu unternehmen.
Heimweh nach dem Zuhause war laut Elli und Berni kein bestimmendes Thema. Nach vielen Monaten in kleinen Campern wünschte sich ihre ältere Tochter allerdings mehr Privatsphäre. Wenn das Reisetempo zu hoch wurde, äußerten die Kinder den Wunsch, langsamer weiterzumachen. Die Eltern nahmen das ernst und passten den Rhythmus an.
„Wichtig war ihnen, glaube ich, nur, dass wir da sind. Dass wir zu viert sind.“
Das bedeutet nicht, dass ein Jahr auf engem Raum immer harmonisch ist. Elli sagt sehr klar, dass die intensive gemeinsame Zeit auch anstrengend war. Gleichzeitig entstand daraus ein starkes Gefühl, als Familie eine Einheit zu sein. Besonders wertvoll war für sie die Zeit, die die Kinder mit ihrem Papa bekamen – nicht nur abends nach der Arbeit oder während eines kurzen Urlaubs, sondern ein ganzes Jahr lang.
Lernen unterwegs passiert nicht nur im Schulheft
Beim Start war die ältere Tochter fünf Jahre und neun Monate alt und wurde in Amerika sechs. Der Schulbeginn stand nach der Rückkehr bevor. Deshalb nahm die Familie einige Lernhefte mit, darunter auch Material von der Schule. Der größere Teil des Lernens passierte aber im Alltag.
Treppenstufen wurden gezählt, Muscheln zusammengerechnet und Postkarten geschrieben. Lesen, Schreiben und Rechnen waren nicht als isolierte Unterrichtsstunde vom Reiseleben getrennt, sondern mit konkreten Erlebnissen verbunden. Bei der Rückkehr konnte die Tochter nach Aussage ihrer Eltern bereits lesen, schreiben und rechnen.
Auch außerhalb klassischer Schulfächer wuchsen beide Kinder über sich hinaus. Sie lernten, trotz fehlender gemeinsamer Sprache mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen, Essen auf Englisch zu bestellen und längere Wanderungen zu bewältigen. Gerade diese Selbstständigkeit lässt sich schwer in Arbeitsblättern messen.
Was ein Jahr aus vier Rucksäcken mit Konsum macht
Nach der Rückkehr öffnete die Familie den Kellerraum, in dem fast ihr gesamter Besitz gelagert war. Er war bis obenhin voll. Gleichzeitig hatten sie ein Jahr lang aus vier Rucksäcken gelebt – ohne das Gefühl, dass ihnen etwas Entscheidendes fehlte.
Diese Erfahrung veränderte ihren Blick auf Besitz. Die Frage lautete nun häufiger: Brauchen wir das wirklich? Nutzen wir es? Wenn nicht, darf es verkauft oder auf dem Flohmarkt weitergegeben werden.
Auch die Kinder brauchten unterwegs erstaunlich wenig. Jedes hatte einen kleinen Rucksack mit den wichtigsten Lieblingssachen. An Weihnachten in Neuseeland gab es statt einer großen Geschenkeflut nur wenige Kleinigkeiten – und die Kinder waren damit glücklich. Im Vergleich zum nächsten Weihnachten zu Hause fiel den Eltern auf, dass mehr Geschenke nicht automatisch mehr Zufriedenheit bedeuteten.
Was die einjährige Weltreise gekostet hat
Elli und Berni nennen im Gespräch keine exakte Monatsabrechnung. Insgesamt lagen die Reisekosten nach ihrer groben Überschlagsrechnung bei etwa 45.000 bis 50.000 Euro für vier Personen.
Finanziert wurde die Reise durch Erspartes, den Verkauf des Autos und weiterer Dinge sowie durch Ellis zeitweise Online-Arbeit unterwegs. Gleichzeitig reduzierten sie ihre Fixkosten in Deutschland so weit wie möglich. Genau das ist ein wichtiger Teil ihrer Rechnung: Zum Reisebudget kamen nicht unverändert alle bisherigen Kosten zu Hause hinzu.
Die Summe lässt sich nicht einfach auf jede andere Familie übertragen. Ihre Route enthielt mit den USA ein teures Reiseland, mehrere Flüge für vier zahlende Personen und die Verschiffung des Wohnmobils. Beide Kinder benötigten eigene Tickets, und Unterkünfte mussten groß genug für vier Schlafplätze sein. Auf den Fidschi-Inseln lebten sie dafür nicht in Luxusresorts.
Wie teuer eine Langzeitreise wird, hängt laut Elli und Berni stark davon ab, wohin, wie schnell und mit welchem Komfortanspruch man reist. Langsamer unterwegs zu sein reduziert oft nicht nur Stress, sondern auch Flug- und Unterkunftskosten.
Der Worst Case war plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich
Was raten die beiden Familien, die selbst von einer Weltreise träumen, aber vor dem großen Schritt zurückschrecken? Ihre Antwort ist kurz: einfach machen. Gemeint ist damit nicht, unvorbereitet alle Sicherheiten über Bord zu werfen. Sie selbst spielten vor der Abreise sehr bewusst den schlimmsten denkbaren Fall durch.
Was, wenn das Geld ausgeht? Was, wenn es unterwegs nicht funktioniert? Dann würden sie nach Hause fliegen. Es gab einen Ort, an den sie zurückkehren konnten. Allein diese Erkenntnis nahm dem Vorhaben einen Teil seiner Bedrohlichkeit.
„Aber schlimmer ist es, gar nicht loszugehen aus Angst, als wenn man losgeht und dann schaut man einfach, was passiert.“
Der Satz passt zu ihrer gesamten Geschichte. Die Reise begann nicht mit einem perfekten Zwölfmonatsplan, sondern mit einer ehrlichen Prüfung der großen Hürden – und der Bereitschaft, den Rest unterwegs herauszufinden.
Was von diesem Jahr geblieben ist
Als einzelnes Reisehighlight nennen Elli und Berni einen zufällig entdeckten, unglaublich intensiven Sternenhimmel in Neuseeland. Noch stärker geprägt hat sie aber das ganze Jahr: die Nähe innerhalb der Familie, die Entwicklung der Kinder und der neue Blick darauf, wie wenig es für ein gutes Leben manchmal braucht.
Zurück in Deutschland vermisste Berni besonders die entspanntere Stimmung des Unterwegsseins. Der Arbeitsalltag fühlte sich wieder nach „höher, schneller, weiter“ an. Die Familie freute sich zwar auf mehr Platz, ein eigenes Zimmer und eine Tür an der Toilette. Das Haus selbst hätte für sie aber auch an einem anderen Ort stehen können.
Und eine weitere Weltreise? Die Antwort kommt im Gespräch ohne Zögern: definitiv ja.
Elli und Berni könnt ihr auf Instagram unter @wennglueckskinderreisen begleiten.