Uganda mit Kindern: Stephi und Ben über Berggorillas und ihre Bücher
Das echte Wohnmobil kann weder fliegen noch schwimmen. Sein Gegenstück im Kinderbuch schon. Stephi und Ben haben aus ihrem alten Wohnmobil Bob einen Reisebegleiter für Geschichten gemacht – und aus ihrer Begeisterung für andere Länder einen eigenen Kinderbuchverlag.
Als wir für den NomadKids Podcast mit den beiden sprechen, sind sie mit ihren drei Kindern auf Recherchereise in Uganda. Sie erzählen von den Anfängen ihrer Bücher, einem Besuch bei Lichtstrahl Uganda und einer Begegnung mit Berggorillas, bei der ihnen selbst kaum noch Worte bleiben.
Es geht aber auch um die ganz normalen Seiten einer Reisefamilie: Kinder, für die ein Pool manchmal spannender ist als die große Sehenswürdigkeit, Fragen, die unterwegs immer zahlreicher werden, und die Arbeit, die nach einer Reisegeschichte noch lange nicht erledigt ist.
Ein Wohnmobil, das schon wie eine Buchfigur aussah
Die Idee begann nicht mit einem fertigen Verlagsplan. Stephi und Ben hatten ihr Wohnmobil bereits und hörten immer wieder, dass es wie eine Figur aus einem Kinderbuch aussehe. Ein kompakter Oldtimer, hellblau und beige gestreift – da lag der Gedanke irgendwann ziemlich nahe.
Dann zog der beste Freund ihrer damals kleinen Tochter nach Abu Dhabi. Wie erklärt man einem kleinen Kind, wo dieser Mensch jetzt lebt? Die Familie suchte nach passenden Büchern und saß am Ende vor der Google-Bildersuche.
Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, Kindern andere Länder über Geschichten näherzubringen. Keine Sammlung trockener Fakten, sondern Abenteuer an echten Orten. Während die Kinder der Handlung folgen, sollen sie nebenbei ein Gefühl für das jeweilige Land bekommen.
Das Wohnmobil war dafür ein passender Begleiter. Im echten Leben hatte es die Familie schon durch viele Abenteuer getragen. In den Büchern durfte es zusätzlich Dinge können, für die es am echten Bob leider keine Knöpfe gibt.
Aus einer Weltreise wurde auch ein Gründungsjahr
Mit der Geburt ihres jüngsten Kindes stand für Stephi und Ben ohnehin ein Umbruch an. Sie wollten Berlin verlassen und gingen mit der Familie auf Weltreise. Diese Zeit nutzten sie auch, um ihre Buchidee weiterzuentwickeln.
Beide hatten BWL studiert. Ein Businessplan gehörte deshalb dazu, ebenso die Frage, wie sie mit ihren Büchern überhaupt starten könnten. Während der Reise bauten sie ihren Instagram-Kanal auf. Dort entstand eine Community, die das Projekt von Anfang an begleitete.
Das erste Buch finanzierten sie über Crowdfunding. Mit dem Geld sollten Druck und Illustrationen möglich werden. Als die Kampagne ihr Ziel erreichte und übertraf, war das für die beiden nicht nur eine finanzielle Hilfe. Es zeigte ihnen, dass andere Menschen an ihre Idee glaubten.
Bis das Buch fertig war, blieb trotzdem viel zu tun. Papier, Format, Druckerei, Illustrationen – eine Geschichte zu schreiben war nur ein Teil der Arbeit. Vieles mussten sie erst lernen.
Selber entscheiden heißt auch: selber machen
Stephi und Ben entschieden sich für einen eigenen Verlag. Sie wollten ihre Reihe selbst weiterentwickeln und die Entscheidungen darüber behalten, welche Bücher entstehen und wohin die Reise geht.
Marketing und Vertrieb kannten sie aus ihrem Berufsleben. Trotzdem war der Einstieg nicht so einfach, wie sie es sich anfangs vorgestellt hatten. Zwischen der ersten Idee und einem Buch, das tatsächlich bei einer Familie ankommt, liegen viele Aufgaben, die von außen kaum sichtbar sind.
Die beiden mögen, dass sie sich direkt abstimmen können. Wenn sie etwas ändern oder ein neues Land auswählen möchten, müssen sie das miteinander entscheiden. Das gibt ihnen viel Freiheit – und bedeutet zugleich, dass die Verantwortung bei ihnen bleibt.
Warum echte Reisen für die Geschichten wichtig sind
Welche Länder kommen in die Bücher? Manche Entscheidungen liegen nah: Schweden hat durch Bens Familie eine besondere Verbindung zu ihnen. Andere Ziele kennen sie aus längeren eigenen Reisen, etwa Argentinien.
Stephi und Ben möchten nicht nur ein paar bekannte Bilder eines Landes sammeln. Sie reisen selbst hin, sprechen mit Menschen und suchen nach Eindrücken, aus denen eine Geschichte wachsen kann.
Dabei bringen auch ihre Kinder einen eigenen Blick mit. Was Erwachsene als großes Highlight erleben, ist für Kinder manchmal einfach ein weiterer Reisetag. Dafür können ein Pool, ein kleines eigenes Reisebudget oder eine unerwartete Begegnung besonders wichtig sein.
Die beiden erzählen das mit viel Humor. Reisen gehört für ihre Kinder seit frühester Kindheit zum Leben. Das macht vieles selbstverständlich – auch Dinge, bei denen die Eltern noch staunend stehen bleiben.
Eigentlich sollte es nach Kolumbien gehen
Uganda war nicht von Anfang an das nächste feste Reiseziel. Der Kontakt entstand über Lichtstrahl Uganda. Die Menschen hinter dem Projekt wurden auf die Familie aufmerksam, und bei einem Treffen hörten Stephi und Ben mehr vom Land und der Arbeit vor Ort.
Die Einladung blieb im Kopf. Einige Zeit später passten die Reiseidee und die Flüge zusammen. Statt nach Kolumbien ging es nach Uganda.
Die erste Woche verbrachte die Familie beim Projekt im Norden des Landes. Danach reisten sie auf eigene Faust weiter. Für Stephi und Ben war diese Reihenfolge wichtig: Sie lernten zunächst Menschen und ihren Alltag kennen, bevor die Reise stärker zu Nationalparks und Tierbeobachtungen führte.
Begegnungen, die mehr Fragen auslösen als Antworten
Der Besuch im Kinderkrisendorf von Lichtstrahl Uganda beschäftigte die ganze Familie. Stephi erzählt von Begegnungen, die ihren Blick auf die eigenen Sorgen und den Alltag zu Hause verändert haben.
Die Kinder spielten miteinander, wurden vertrauter und schlossen Freundschaften. Beim Abschied waren die Kinder der Reisefamilie traurig und wollten später noch einmal zurückkommen.
Gleichzeitig gab es viele Fragen. Die Kinder werden älter und nehmen mehr wahr als auf ihren ersten Reisen. Sie möchten verstehen, wie andere Menschen leben und warum ihre Lebensumstände so unterschiedlich sind.
Stephi und Ben beschreiben deshalb auch die Gespräche unterwegs. Nicht alles lässt sich mit einer kurzen Antwort erledigen. Manche Eindrücke müssen gemeinsam sortiert werden, und manche Fragen bleiben erst einmal offen.
Ein Silberrücken, ein Junges und plötzlich ganz wenig Abstand
Die Begegnung mit den Berggorillas gehört zu den Erlebnissen, die Stephi sofort wieder vor Augen hat. Ein Silberrücken lag dort, ein Junges krabbelte auf ihm herum – und sie standen ganz in der Nähe.
Dabei war schon der Weg anders, als die beiden erwartet hatten. Ihre Gruppe musste nicht stundenlang durch den Wald wandern. Sie gingen über eine Teeplantage und eine Lichtung und erreichten die Tiere überraschend schnell. Andere Gruppen, die ebenfalls gestartet waren, waren deutlich länger unterwegs.
Die Ranger hatten zuvor erkundet, wo sich die Gorillas aufhielten. Bei den Tieren blieb Zeit zum Beobachten. Stephi und Ben machten Fotos und Videos, legten die Geräte aber auch weg und schauten einfach zu.
Besonders blieb ihnen, wie vertraut manche Bewegungen und Gesichtsausdrücke wirkten. Das Junge spielte, die Tiere fraßen und schenkten den Besuchern nicht ständig Aufmerksamkeit. Gerade dieses Zuschauen war für die beiden so eindrücklich.
Möglich wurde die Begegnung auch durch ein Geburtstagsgeschenk für Stephi. Die Kosten hatten sie vorher durchaus zögern lassen. Umso dankbarer waren sie, dass es schließlich klappte.
Wenn ein Kind vor der Reise schon sein eigenes Tierbuch macht
Lernen unterwegs sieht in dieser Familie manchmal ziemlich praktisch aus. Ihre mittlere Tochter stellte vor der Reise selbst ein Buch mit Tieren zusammen, die sie in Uganda sehen könnte. Unterwegs konnte sie Entdeckungen darin ankreuzen – und erkannte plötzlich Vögel, die ihre Eltern nicht benennen konnten.
Auch Englisch bekommt auf Reisen einen anderen Platz. Es ist nicht nur ein Schulfach, sondern hilft beim Fragen, Verstehen und Kennenlernen. Die ältere Tochter übernimmt nach der Schilderung der Eltern immer öfter selbst Gespräche.
Das bedeutet nicht, dass nach einer eindrücklichen Begegnung jeder Familienmoment tiefgründig wird. Kurz darauf können die Kinder trotzdem über Cola oder Pommes diskutieren. Stephi und Ben lachen auch über diese Widersprüche. Ihre Kinder erleben viel und bleiben dabei eben Kinder.
Für die beiden steht vor allem die gemeinsame Zeit im Mittelpunkt. Was sie unterwegs sehen und lernen, kommt dazu. Die Reise schafft einen Rahmen, in dem sie viel miteinander erleben.
Nach dem Erlebnis beginnt die nächste Arbeit
Aus Uganda soll ein neues Buch entstehen. Ben möchte das Rohmanuskript möglichst schon schreiben, bevor die Familie zurückfliegt. Die eigentliche Geschichte zu finden, ist für ihn der anspruchsvollste Teil.
Welche Begegnung passt hinein? Wie entwickelt sich das Abenteuer? Wo wird eine Erklärung zu lang? Eine Reise liefert viele Eindrücke, aber noch kein fertiges Kinderbuch.
Danach folgen Korrekturen, Lektorat und die weiteren Schritte bis zum Druck. Auch wenn die beiden inzwischen mehr Erfahrung und feste Abläufe haben, bleibt jedes Buch ein neues Projekt.
Das Abenteuer muss nicht immer Uganda heißen
Zum Schluss sprechen Stephi und Ben darüber, Wünsche nicht ständig auf später zu verschieben. Sie kennen die Gedanken, die vor einer Reise oder einer Selbstständigkeit auftauchen: Vielleicht erst, wenn mehr Zeit da ist. Wenn die Kinder größer sind. Wenn alles besser vorbereitet ist.
Gleichzeitig betont Ben, dass ein Abenteuer nicht besonders weit weg liegen muss. Es kann in Schweden, in Bayern oder vor der eigenen Tür beginnen. Für ihn geht es darum, den Alltag einmal loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen.
Das passt zu ihrer Geschichte. Aus einem alten Wohnmobil und einer Frage ihrer Tochter wurde eine Buchidee. Aus der Idee ein eigener Verlag. Und aus einer Einladung, die zunächst nur im Kopf blieb, eine Familienreise nach Uganda.
Mehr über die beiden und ihre Bücher findet ihr bei Weltenbummler Kids und auf Instagram unter @weltenbummlerkids. Das besuchte Projekt stellt seine Arbeit auf Lichtstrahl Uganda vor.
Werbung: Die Podcastfolge wird von Skoobe unterstützt.
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