Nach zehn Monaten Vanlife wieder zu Hause in Berlin
Die Wohnung war noch da. Die Möbel standen an ihrem Platz, die Nachbarn waren dieselben, und Steffis Sohn wollte direkt zu seinem Freund im Haus. Zehn Monate war die Familie mit dem Van durch Europa gereist. Nun waren sie wieder in Berlin – und auf den ersten Blick sah vieles so aus, als wären sie nie weg gewesen.
Für Steffi fühlte es sich anders an. Sie hatte neue Orte gesehen, viel Zeit mit ihrem Partner René und ihrem Sohn verbracht und erlebt, wie entspannt ein Alltag ohne Arbeitstermine sein konnte. Zurückzukommen bedeutete deshalb mehr, als den Bus auszuräumen.
In Folge 38 des NomadKids Podcasts sprechen wir mit Steffi von einfach.weiter über ihre Europareise und vor allem über das Heimkommen. Über die Freude an einer warmen Wohnung, die Sehnsucht nach unterwegs und die Frage, wie die Freiheit der Reise im Alltag noch einen Platz finden kann.
Der Plan begann mit dem ersten Camper
Kurz nach der Geburt ihres Sohnes kauften Steffi und René ihren Camper. Sie bauten ihn mit Unterstützung aus, fuhren am Wochenende los und nutzten ihn für Reisen in der Elternzeit. Schon damals wollten sie später noch einmal länger unterwegs sein: bevor ihr Sohn in die Schule kommt.
Für diese Auszeit legten sie über Jahre Geld zurück. Ursprünglich konnten sie sich auch vorstellen, den Camper nach Amerika zu verschiffen. Am Ende fühlte sich Europa für sie passender an. Dort gab es genug Neues zu entdecken, und gelegentliche Besuche in Berlin ließen sich leichter einplanen. Eine Hochzeit und ein runder Geburtstag gehörten schließlich ebenfalls zu ihrem Familienleben.
Die Reise führte zunächst nach Italien, dann nach Schweden und Norwegen. Später ging es nach Sardinien und mit der Fähre weiter nach Barcelona. In Spanien blieb die Familie eine längere Zeit. Nicht jeder Abschnitt stand vorher fest. Vieles entschieden sie unterwegs.
Was anders wird, wenn die Arbeit nicht im Hinterkopf wartet
Beide kündigten ihre Jobs. Das war zunächst nicht der einzige denkbare Weg gewesen. Steffi hätte sich auch ein Sabbatical vorstellen können. Durch die Umstände vor der Reise entschieden sie sich schließlich für einen beruflichen Abschied.
Wie viel Ruhe das brachte, überraschte sie selbst. Im Urlaub wartet oft schon der nächste Arbeitstag im Hinterkopf. Diesmal gab es keinen Termin, den sie vorbereiten musste, und keine Arbeit, zu der sie nach wenigen Wochen zurückkehren würde.
Steffi erzählt, dass sie sich dadurch ganz auf die Reise und ihre Familie konzentrieren konnte. Gleichzeitig verschweigt sie die Unsicherheit nicht. Nach der Rückkehr wieder Arbeit zu finden, war für sie schwieriger, als sie vorher erwartet hatte.
Für René ergab sich schon unterwegs eine Möglichkeit. Auf dem Weg nach Sardinien besuchte er über frühere berufliche Kontakte eine Firma in Zürich und bekam ein Angebot. Der Arbeitsbeginn im März gab der Familie Sicherheit für die Zeit danach und setzte zugleich einen Endpunkt für die Reise.
Steffi beschreibt ihre Auszeit deshalb auch als Privileg. Die Familie konnte sparen und hatte die Möglichkeit, sich diese Zeit zu nehmen. Dass es für sie passte, macht eine Kündigung nicht automatisch zur passenden Entscheidung für jede andere Familie.
Unterwegs die eigenen Routinen finden
Auch im Van gab es einen Alltag. Essen musste gemacht, Wasser aufgefüllt und die Toilette gereinigt werden. Der Bus, den die Familie Erwin nennt, war mit Solar und einem großen Wassertank ausgestattet. Die Familie wechselte zwischen autarkem Stehen und Campingplätzen.
Meist blieben sie zwei oder drei Nächte an einem Ort. Wenn es ihnen besonders gefiel, auch länger. Nach einigen Tagen gehörte ein Campingplatz mit richtiger Dusche und Möglichkeiten zur Versorgung dazu.
Der Unterschied zum Alltag in Berlin lag für Steffi vor allem darin, wer die Zeiten bestimmte. Vorher gaben Arbeit und Kita vieles vor. Unterwegs konnte die Familie ihre Routinen selbst wählen. Feste Mahlzeiten und Schlafenszeiten blieben wichtig, aber das Drumherum ließ sich freier gestalten.
Ihren Sohn erlebte Steffi auf der Reise zunehmend offener im Kontakt mit anderen Kindern. Ohne Geschwister suchte er sich Spielkameraden vor Ort. Sie beobachtete, wie er sich häufiger traute, auf andere zuzugehen. Besonders schön fand sie, seine Interessen und seine Entwicklung so unmittelbar mitzuerleben.
Die letzten Kilometer und die Wehmut
Als die Rückfahrt näher rückte, hätte sich Steffi durchaus noch mehr Zeit unterwegs vorstellen können. Spanien hatte ihnen gut gefallen, und es gab noch viel zu entdecken. Eine Verlängerung war kurz Thema, am Ende blieb die Familie bei ihrem Plan.
Die Rückfahrt führte sie aus dem warmen Spanien durch Regen und Schnee nach Deutschland.
Der Wetterwechsel machte den Abschied vom Reisen zunächst schwerer. Mit den kalten Tagen veränderte sich aber auch ihr Blick: Plötzlich freuten sie sich auf die Heizung, eine Badewanne und mehr Platz. Auf den letzten Kilometern wurde die vertraute Stadt wieder zu einem Ort, auf den sie sich freuten.
Zu Hause kommen nicht alle gleichzeitig an
Ihr Sohn ging nach der Ankunft direkt in sein Zimmer, schaute nach seinen Spielsachen und wollte zu seinem Freund im Haus. Später freute er sich sehr auf die Kita. René begann wieder zu arbeiten. Für die beiden war der Alltag schnell zurück.
Steffi brauchte länger. Sie suchte mehrere Monate nach einem neuen Job. Unterwegs nicht zu arbeiten hatte sich frei angefühlt. Zu Hause, während die anderen tagsüber beschäftigt waren, erlebte sie die Situation ganz anders. Ein Teil von ihr wäre am liebsten direkt wieder losgefahren.
Auch das Wiedersehen mit Freunden entsprach nicht immer ihren Erwartungen. Steffi hatte viel zu erzählen. Doch manche Gespräche blieben kurz, weil der Alltag der anderen weiterlief. Die Vorfreude aufs gemeinsame Fotoschauen führte nicht immer dazu, dass es tatsächlich stattfand.
Die Rückkehr brachte damit eine Erfahrung, die auch wir kennen: Man kommt mit vielen Geschichten nach Hause, aber die Menschen dort hatten währenddessen ihr eigenes Leben. Das Zusammenfinden braucht Zeit.
Mehr Platz und ein neuer Blick auf Besitz
Die große Wohnung war nach den Monaten im Van eine Erleichterung. Jeder konnte sich einmal zurückziehen, eine Tür schließen und Zeit für sich haben. Nach so viel Nähe rund um die Uhr war das für Steffi eine besonders schöne Seite des Heimkommens.
Gleichzeitig wirkte vieles plötzlich überflüssig. Unterwegs hatte sie immer wieder dieselben wenigen T-Shirts getragen. Nun legte sie sie zurück in einen vollen Kleiderschrank. Auch ihr Sohn hatte im Van mit deutlich weniger Spielzeug gelebt.
Die Familie hatte schon vorher gern gebraucht gekauft und Geschenke begrenzt. Die Reise verstärkte aber das Gefühl, dass sie viele Dinge besaß, die im Alltag kaum gebraucht wurden. Sich über die Badewanne zu freuen und weniger besitzen zu wollen, passte für Steffi gut zusammen.
Berlin wieder mit Neugier anschauen
Beim Ankommen half der Familie, sich wieder bewusst für schöne Dinge vor Ort Zeit zu nehmen. Freunde treffen, ein Museum besuchen, in den Park gehen oder ein Eis bei der Lieblings-Eisdiele essen: Erlebnisse, die zwischen Verpflichtungen leicht untergehen.
Steffi beschreibt das als Versuch, sich wieder in die eigene Stadt zu verlieben. Nicht jedes freie Wochenende sollte gleich die nächste Flucht mit dem Bus werden. Auch Berlin konnte wieder ein Ort für gemeinsame Entdeckungen sein.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme gehörten weitere Reisen trotzdem zu ihren Plänen. Steffi erzählte von einem geplanten Sommerurlaub in Polen, einem Land, das die Familie schon bei früheren Besuchen schätzen gelernt hatte. René konnte seine Arbeit am Laptop von unterwegs erledigen. Die nächste Reise musste deshalb nicht wieder zehn Monate dauern.
Ein Mitbringsel aus dem Camper
Zum Schluss bringt Steffi noch eine Idee mit, die auch zu Hause funktioniert: selbst gemachtes Eis ohne Mixer. Reife Bananen lassen sich mit einer Gabel zerdrücken und nach Geschmack mit Kakao oder weiteren Früchten ergänzen. Die Mischung kommt in Eisformen und wird eingefroren. Auch Saft haben sie unterwegs für Wassereis verwendet.
So bleibt neben Erinnerungen und einem anderen Blick auf den Alltag auch eine kleine Gewohnheit aus der Reise. Etwas, das die Familie gemeinsam machen kann, ganz ohne weit wegzufahren.
Mehr von Steffi und ihrer Familie findet ihr auf Instagram unter @einfach.weiter.
Werbung: Die Podcastfolge wird von der GRENZENLOS | ONLINESCHULE unterstützt.
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