Podcast-Interview ·

Online lernen auf Reisen: Steffi über die Grenzenlos Onlineschule

Eine Lehrerin auf Weltreise, Gespräche mit Familien unterwegs und ein Anruf aus Sri Lanka: So beginnt die Geschichte der GRENZENLOS | ONLINESCHULE. Steffi wollte nach ihrer Reise selbst ortsunabhängig arbeiten. Dass ausgerechnet ihr bisheriger Beruf dafür der Ausgangspunkt sein könnte, war ihr zunächst gar nicht klar.

Heute entwickelt sie mit ihrem früheren Kollegen Berti eine Schule, die mit ihren Schülerinnen und Schülern mitreisen kann. Im NomadKids Podcast sprechen wir mit ihr über Live-Unterricht zwischen verschiedenen Zeitzonen, selbst zusammengestellte Stundenpläne und die Frage, wie viel Platz in der Schule für die Interessen eines Kindes bleibt.

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Die Schulidee kam nicht im Lehrerzimmer

Steffi hatte schon vor ihrer Reise nach anderen Wegen gesucht, Unterricht zu gestalten. Deutschunterricht konnte auch draußen stattfinden, ein Gedicht im Herbst musste nicht unbedingt zwischen vier Wänden entstehen. Sie wollte Lösungen finden, die zu den Kindern passen.

Unterwegs begegnete ihr dann immer wieder dieselbe Geschichte: Eine Familie war auf Reisen, doch bald würde die Schule beginnen oder die Freistellung enden. Der nächste Schritt hing nicht nur an Geld, Arbeit oder der Reiseroute. Er hing am Lernen der Kinder.

Gleichzeitig suchte Steffi für sich selbst nach einer Arbeit, die sie von überall machen konnte. Sie schaute sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten an, von Copywriting bis Social Media. Erst nach und nach wurde ihr klar, dass sie dafür vielleicht gar nicht bei null anfangen musste. Unterrichten, Schule weiterentwickeln und mit digitalen Geräten arbeiten – das konnte sie längst.

Also rief sie aus Sri Lanka ihren früheren Kollegen Berti an. Die beiden hatten schon zusammengearbeitet und ergänzten sich gut. Zu Steffis pädagogischen Ideen kamen Bertis technische Fähigkeiten. Aus der ersten Begeisterung wurden ein Konzept, ein Businessplan, eine Website und schließlich Unterricht mit den ersten Kindern.

Ein Stundenplan, der nicht für alle gleich aussieht

Wie stellt man sich so einen Schultag vor? Laptop aufklappen, ein paar Arbeitsblätter herunterladen und dann allein vor sich hin lernen?

Bei Steffi sieht das anders aus. Die Kinder treffen ihre Lehrkräfte und andere Schülerinnen und Schüler im Live-Unterricht. Mal arbeiten alle zusammen, mal in kleinen Gruppen, mal wird geschrieben, gekocht, gebastelt oder experimentiert. Je nach Fach wird also längst nicht nur auf einen Bildschirm geschaut.

Den Stundenplan stellen Familien aus dem Kursangebot zusammen. Deutsch, Mathematik und Englisch gehören dazu, aber daneben soll Zeit für eigene Interessen bleiben. Wer gern liest und schreibt, kann beispielsweise in Lesewelten oder kreatives Schreiben eintauchen. Wer sich für digitale Themen begeistert, findet andere Angebote.

Steffi beschreibt damit keinen Unterricht, bei dem jeden Morgen alles neu entschieden wird. Es gibt feste Kurse und feste Zeiten. Innerhalb dieses Rahmens haben die Familien aber mehr Spielraum: Welche Fächer passen gerade? Wie viel Unterricht ist sinnvoll? Und welcher Tag soll vielleicht für andere Dinge frei bleiben?

In Mathe schon weiter, in Deutsch noch nicht

Ein Kind muss nicht in jedem Fach am selben Punkt stehen. Im Gespräch fragen wir deshalb auch nach unterschiedlichen Lernständen: Kann jemand in Mathematik einen anderen Kurs besuchen als in Deutsch?

Steffi sagt, dass solche Kombinationen möglich sind, wenn der Stundenplan sie zulässt. Das klingt zunächst nach einer kleinen organisatorischen Frage. Für ein Kind kann es aber einen großen Unterschied machen, ob es in einem Fach gefordert wird und in einem anderen noch Zeit zum Üben bekommt.

Auch innerhalb eines Interessengebiets soll es mehr als die Grundlagen geben. Steffi erzählt von Kindern, die tiefer in ein Thema einsteigen möchten, eigene Texte schreiben oder Bücher vorstellen. Nicht alle müssen alles gleich spannend finden. Der Stundenplan darf diese Unterschiede sichtbar machen.

Die Schule reist durch Zeitzonen mit

Für eine Familie in Asien sieht ein Morgen anders aus als für eine Familie in Südamerika. Ein einziger Unterrichtsbeginn nach deutscher Uhrzeit wäre deshalb für viele ziemlich unpraktisch.

Die Schule arbeitet mit Angeboten für verschiedene Zeitzonen. Die Kinder finden ihren Stundenplan, Unterrichtslinks und benötigte Materialien in einer eigenen App. Bei einer Reise können Familien auch über einen Wechsel zwischen den angebotenen Zeitzonen sprechen.

Trotzdem braucht ein solcher Alltag Vorbereitung. Für einen Koch- oder Experimentierkurs müssen die passenden Dinge vorhanden sein. Und wenn die Familie gerade im Van unterwegs ist, lässt sich nicht mal eben alles ausdrucken.

Deshalb können die Aufgaben nach Steffis Beschreibung digital bearbeitet werden. Wer lieber mit Stift und Papier arbeitet und einen Drucker zur Verfügung hat, kann das ebenfalls tun. Entscheidend ist, dass der Unterricht auch unterwegs praktisch funktioniert.

Hinter dem Bildschirm sitzen immer noch Menschen

Eine feste Klasse, die jeden Tag in allen Fächern zusammensitzt, gibt es in diesem Modell nicht. Dafür entstehen Kursgemeinschaften: In einem bestimmten Deutsch- oder Mathekurs treffen die Kinder regelmäßig dieselben anderen Kinder.

Steffi erzählt auch von einem virtuellen Schulhof und davon, wie wichtig der Kontakt untereinander ist. Die Kinder sollen Fragen stellen können, gemeinsam arbeiten und ihre Lehrkräfte kennenlernen. Online heißt in ihrer Vorstellung nicht, dass jeder allein mit einer Aufgabenliste bleibt.

Gerade der Einstieg bekommt deshalb besondere Aufmerksamkeit. Ein Kind, das sich nicht traut zu fragen, kann schon an kleinen technischen Dingen verzweifeln. Wo lade ich ein Foto hoch? Wie funktioniert dieses Werkzeug? Was machen die anderen da gerade?

Die Schule startet neue Schülerinnen und Schüler deshalb zu bestimmten Terminen und führt sie in die Abläufe ein. Erst wenn die Technik vertrauter wird, kann sie tatsächlich beim Lernen helfen.

Wenn Kinder selbst nach einem neuen Fach fragen

Ein Teil des Kursangebots entsteht aus den Wünschen der Kinder. Steffi erzählt, dass Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Podcasts oder Hörspiele machen wollten. Daraus können neue Angebote wachsen. Andere Kurse verschwinden wieder, wenn sie kaum gewählt werden.

Auch künstliche Intelligenz und Programmieren kommen im Gespräch vor. Steffi geht es dabei nicht nur darum, neue Werkzeuge benutzen zu können. Die Kinder sollen auch verstehen, was dahintersteckt, welche Möglichkeiten sie haben und wo sie genauer hinschauen müssen.

So wird ein Interesse nicht bloß zur Belohnung nach dem eigentlichen Lernen. Es kann selbst zum Ausgangspunkt für Unterricht werden.

Was von diesem Gespräch bleibt

Steffis eigene Geschichte und ihre Schulidee hängen eng zusammen. Sie wollte reisen und weiter als Lehrerin arbeiten. Familien, denen sie unterwegs begegnete, suchten nach einem Weg, Reisen und Lernen zu verbinden. Aus diesen beiden Fragen entstand ein gemeinsames Projekt mit Berti.

Im Gespräch wird deutlich, wie viel Organisation hinter dem vermeintlich einfachen Satz steckt, von überall lernen zu können: Unterrichtszeiten, Kurswahl, technische Einführung und Menschen, die erreichbar bleiben.

Wenn ihr euch gerade mit Lernen unterwegs beschäftigt, gibt die Folge einen ausführlichen Einblick in dieses Modell. Besonders spannend ist dabei die Frage, welche Struktur ein Kind braucht – und wo mehr Freiheit beim Lernen tatsächlich hilfreich sein kann.

Mehr über Steffi und die Schule findet ihr bei der GRENZENLOS | ONLINESCHULE und auf Instagram unter @grenzenlos.onlineschule.

Folge 35 im Original anhören

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