Podcast-Interview ·

Aus einem Jahr wurden sieben – Wenn aus einer Weltreise ein Lebensmodell wird

Vier One-Way-Tickets nach Thailand und ein Jahr Zeit: So begann 2019 die Reise von Jackie und Thomas. Danach wollten sie mit ihren zwei Kindern zurückkehren und wieder in den vertrauten Alltag einsteigen. Sieben Jahre später ist aus dieser Auszeit längst ein anderes Lebensmodell geworden.

Die Familie hat in Peru einen Lockdown erlebt, in Deutschland ein ortsunabhängiges Business aufgebaut, eine Onlineschule gegründet und wieder abgegeben. Sie ist durch viele Länder gereist und hat irgendwann gemerkt, dass Reisen mit Teenagern andere Bedürfnisse mit sich bringt als Reisen mit kleinen Kindern. Heute hat die Rucksackfamilie eine Basis in Paphos auf Zypern – und bleibt trotzdem unterwegs.

In Folge 39 des NomadKids Podcasts sprechen wir mit Jackie und Thomas darüber, wie ein zeitlich begrenzter Plan immer wieder neu geschrieben wurde. Es geht um Mut und Zweifel, ums Lernen unterwegs, um Freundschaften und die Frage, wann Freiheit auch einen festen Ort braucht.

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Vier One-Way-Tickets und ein offenes Ende

Die Idee, länger mit den Kindern zu reisen, war schon viele Jahre da. Jackie und Thomas wollten aus dem festen Rhythmus ausbrechen und gemeinsam mehr von der Welt sehen. Als der Zeitpunkt näher rückte, wurde aus dem Wunsch ein konkreter Plan: Haus verkaufen, Besitz reduzieren und für ein Jahr losziehen.

Im Umfeld begegneten ihnen nicht nur Begeisterung, sondern auch Sorgen. Was wird aus Schule, Arbeit und Sicherheit? Für die Familie war entscheidend, nicht auf die vollständige Gewissheit zu warten. Sie planten die nächsten Schritte gründlich, ließen aber Platz für das, was unterwegs entstehen würde.

Im Sommer 2019 starteten sie nach Thailand. Die Reise führte sie weiter durch Asien und schließlich nach Südamerika. Dass aus dem geplanten Jahr ein dauerhafteres Leben unterwegs werden könnte, war da noch nicht entschieden.

Als Peru plötzlich stillstand

Im März 2020 war die Familie in Peru. Innerhalb kürzester Zeit änderte sich alles: Grenzen wurden geschlossen, Ausgangsbeschränkungen verhängt und die Weiterreise war nicht mehr möglich. Fast drei Wochen verbrachten sie in einem Hostelzimmer ohne Fenster. Für die Kinder bedeutete der Lockdown, dass sie das Gebäude nicht mehr verlassen durften.

Schließlich kam die Familie mit einem Rückholflug nach Deutschland. Dort bezogen sie eine fast leere Wohnung – ein starker Kontrast zu den Monaten voller Bewegung. Die erzwungene Rückkehr war kein sanfter Abschluss einer Reise, sondern eine Unterbrechung ohne klare Antwort darauf, wie es weitergehen sollte.

Trotzdem war für Jackie und Thomas bald klar: Das bisherige Jahr sollte nicht das Ende sein.

Wie MeinMatheweg zum neuen Fundament wurde

In Deutschland begann Jackie, ihr Wissen als Mathematiklehrerin online anzubieten. Aus den ersten Schritten entstand MeinMatheweg, ein digitales Mathecoaching. Thomas übernahm Aufgaben im Hintergrund und gemeinsam bauten sie daraus ein ortsunabhängiges Business auf.

Der Aufbau brauchte Zeit. Er war keine schnelle Abkürzung zurück auf die Reise. Doch nach und nach entstand eine Grundlage, mit der die Familie wieder losziehen konnte. Sie mussten Arbeit und Reisen nun miteinander verbinden – und konnten gleichzeitig selbst entscheiden, wo sie leben und wie lange sie bleiben wollten.

Lernen unterwegs und die Nomy School

Auch das Lernen entwickelte sich Schritt für Schritt. Die Kinder arbeiteten mit Materialien, nutzten digitale Angebote und verfolgten eigene Projekte. Jackie und Thomas beschreiben im Gespräch, wie wichtig ihnen dabei wurde, genauer hinzusehen: Was interessiert die Kinder gerade, welche Unterstützung brauchen sie und was passt zur aktuellen Lebensphase?

Aus ihren Erfahrungen entstand später die Nomy School, eine Onlineschule, die sie gemeinsam mit anderen aufbauten. Irgendwann gaben sie das Projekt wieder ab. Die Entscheidung zeigt, dass auch gute Ideen nicht für immer zum eigenen Leben passen müssen.

Heute betrachtet die Familie Lernen breiter als Unterricht nach Stundenplan. Unterwegs gehören Sprachen, Kulturen, Planung, Natur und selbstständiges Arbeiten selbstverständlich dazu. Gleichzeitig verschweigen Jackie und Thomas nicht, dass Familien dafür Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Weg immer wieder prüfen müssen.

Langsamer reisen statt Länder sammeln

Mit den Jahren wurde das Reisetempo ruhiger. Die Familie bleibt länger an Orten und lässt mehr Raum für spontane Pläne. Nicht die Zahl der Länder steht im Mittelpunkt, sondern das Gefühl, wirklich ankommen zu können.

Einige Wünsche entstehen aus den Interessen der Kinder. Tiere spielen dabei eine besondere Rolle. So werden Reiseziele nicht nur nach Sehenswürdigkeiten ausgewählt, sondern auch danach, welche Begegnungen und Erfahrungen für die Familie gerade wichtig sind.

Diese langsamere Art zu reisen macht außerdem Gemeinschaft möglich. In La Herradura in Andalusien und in Chiang Mai traf die Familie andere Reisefamilien. Aus flüchtigen Begegnungen konnten Freundschaften und ein Alltag mit vertrauten Menschen werden.

Wenn aus Kindern Teenager werden

Als die Weltreise begann, waren die Kinder jünger. Inzwischen sind sie Teenager. Damit verändern sich auch die Fragen, die eine reisende Familie beantworten muss.

Ein schöner Strand oder ein neuer Spielplatz reichen nicht mehr automatisch aus. Freundschaften, Rückzug und ein eigener Rhythmus werden wichtiger. Die Kinder wollten zeitweise weniger Ortswechsel und mehr Beständigkeit. Jackie und Thomas nahmen diese Wünsche ernst und legten längere Reisepausen ein.

Das bedeutet nicht, dass die Reise gescheitert ist. Im Gegenteil: Die Familie beschreibt ihre Freiheit gerade darin, den ursprünglichen Plan nicht um jeden Preis festhalten zu müssen. Gemeinsam unterwegs zu sein heißt auch, die Bedürfnisse aller vier immer wieder neu auszuhandeln.

Warum Zypern zur Basis wurde

Mit der Zeit wuchs der Wunsch nach einem festen Ort. Paphos auf Zypern wurde zur neuen Basis der Familie. Dort finden die Kinder mehr Kontinuität und können Freundschaften pflegen. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit, erneut aufzubrechen.

Eine Basis ist für die Rucksackfamilie deshalb nicht das Gegenteil von Freiheit. Sie ist ein zusätzlicher Anker. Nach Jahren, in denen fast alles in Gepäck passen musste, gibt es nun wieder Räume, die bleiben dürfen.

Ein Orang-Utan und eine gesperrte Straße

Zu den besonderen Erinnerungen gehört eine Begegnung mit einem Orang-Utan auf Borneo. Der Weg dorthin war schon ein Abenteuer. Auf der Rückfahrt stellte eine gesperrte Straße die Familie vor ein unerwartetes Problem und aus dem geplanten Ausflug wurde eine Situation, in der improvisiert werden musste.

Auch Mexiko, die Cook Islands und Neuseeland gehören zu den Orten, an die Jackie und Thomas besonders gern zurückdenken. Dabei sind es nicht nur Landschaften. Oft bleiben Begegnungen und ungeplante Momente stärker im Gedächtnis als eine perfekt vorbereitete Route.

Mut heißt nicht, dass die Angst verschwindet

Familien, die selbst von einer längeren Reise träumen, raten Jackie und Thomas zu einem konkreten ersten Schritt. Informationen sammeln, Kosten durchrechnen, eine mögliche Route skizzieren oder mit anderen Reisefamilien sprechen: Aus einem vagen Wunsch wird erst dann ein Plan, wenn man anfängt, ihn greifbar zu machen.

Zweifel gehören trotzdem dazu. Mut bedeutet für sie nicht, keine Angst mehr zu haben. Es bedeutet, die Angst wahrzunehmen und dennoch den nächsten gut überlegten Schritt zu gehen.

Ihre eigene Geschichte zeigt zugleich, dass dieser Schritt nicht für immer gelten muss. Aus einem Jahr dürfen sieben werden. Aus ständigem Reisen darf eine Basis entstehen. Und eine Entscheidung darf später durch eine passendere ersetzt werden.

Mehr über Jackie und Thomas findet ihr bei der Rucksackfamilie und auf Instagram unter @rucksackfamilie. Jackies Online-Mathecoaching findet ihr bei MeinMatheweg.

Werbung: Diese Folge wird von Skoobe unterstützt. Das in der Folge genannte Angebot mit dem Code NOMADKIDS45 war laut offiziellem Episodenfeed bis zum 15. Dezember 2026 befristet. Informationen zum Angebot

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