Podcast-Interview ·

Mit schulpflichtigen Kindern reisen – wie Fernunterricht unterwegs funktionieren kann

Heute Mathe am Küchentisch im Apartment, morgen Deutsch im Van und am Nachmittag lieber eine Pause, weil die Wellen gerade perfekt zum Surfen sind: Lernen auf Reisen kann ganz anders aussehen als ein klassischer Schultag. Sobald Kinder schulpflichtig sind, reicht eine schöne Vorstellung davon allerdings nicht mehr. Familien brauchen eine Lösung, die zum Kind, zur Reise und zu den rechtlichen Vorgaben passt.

In Folge 8 des NomadKids Podcasts sprechen wir deshalb mit Katharina von der Deutschen Fernschule. Sie erklärt, wie Grundschulunterricht unterwegs organisiert werden kann, warum dabei bewusst mit Stift und Papier gearbeitet wird und welche Rolle eine persönliche Lehrkraft in Deutschland übernimmt.

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Eine Grundschule, die mit ins Ausland reist

Katharina fasst das Konzept im Gespräch ziemlich anschaulich zusammen:

Die Deutsche Fernschule ist, kurz zusammengefasst, die Grundschule zum Mitnehmen.

Gegründet wurde die Deutsche Fernschule 1971. Damals suchten Familien, die im Ausland lebten, nach einer passenden schulischen Lösung für ihre Kinder. Aus zunächst entwickelten Unterrichtsmaterialien entstand ein gemeinnütziger Verein, der seine Materialien bis heute selbst erstellt.

Nach Katharinas Angaben orientieren sich die Kurse an den Lehrplänen aller 16 Bundesländer. Die Materialien seien staatlich geprüft und zertifiziert. Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Familien auf Weltreise. Auch deutschsprachige Familien mit festem Wohnsitz im Ausland nutzen es – etwa dann, wenn ihre Kinder vor Ort eine internationale oder lokale Schule besuchen, dort aber keinen passenden Deutschunterricht erhalten.

Für diese unterschiedlichen Situationen gibt es zwei grundsätzliche Wege: das Komplettangebot mit mehreren Fächern sowie ergänzende Deutschkurse. Welches Modell passt, hängt also stark davon ab, ob die Fernschule die gesamte Beschulung übernehmen oder eine Schule vor Ort ergänzen soll.

Warum die Unterrichtshefte bewusst nicht nur online sind

Eine reine Online-Schule ist die Deutsche Fernschule nicht. Gerade im Grundschulalter sei es wichtig, Schreiben weiterhin mit Stift und Papier zu lernen, sagt Katharina. Nach der Buchung werden deshalb gedruckte Arbeitshefte und die jeweils benötigten Verbrauchs- und Zusatzmaterialien verschickt – auf Wunsch sogar Stifte, Mäppchen, Mappen und Hefter.

Das ist unterwegs praktischer, als es im ersten Moment klingt. Wer irgendwo weit außerhalb der nächsten Stadt steht, kann nicht mal eben fehlende Murmeln für ein Zählspiel besorgen. Die Lektionen sollen deshalb mit dem gelieferten Material vollständig bearbeitet werden können.

Trotzdem bleiben die Aufgaben offen für den Ort, an dem eine Familie gerade ist:

Wenn man jetzt Zählspiele statt mit Murmeln mit Muscheln machen will, ist das ja gar kein Problem. Das ist sogar ziemlich cool.

Die Kurse sind spielerisch aufgebaut und verbinden klassische Arbeitshefte mit Spielen und Bastelaufgaben. Durch die Lektionen begleitet der „Gnobulus“, eine illustrierte Figur mit einer Weltkugel als Bauch. Für manche ehemalige Fernschüler ist er offenbar weit mehr als ein Maskottchen: Katharina erzählt von Kindern, die ihn Jahre später auf einer Messe wiedererkennen und sagen, er sei mit ihnen in Afrika gewesen.

Persönliche Lehrkraft statt Eltern allein vor dem Lehrplan

Eine der größten Sorgen vieler Eltern dürfte sein: Kann ich mein Kind überhaupt selbst unterrichten? Das Konzept setzt nicht voraus, dass Mutter oder Vater ausgebildete Lehrkräfte sind. Vor allem in den ersten Klassen ist laut Katharina zwar eine Lernbegleitung sinnvoll. Das kann aber ein Elternteil, ein älteres Geschwisterkind oder eine andere vertraute Person übernehmen.

Fachlich begleitet wird das Kind während des gesamten Schuljahres von einer persönlichen Lehrkraft in Deutschland. Sie ist für alle belegten Fächer zuständig, beantwortet Fragen, korrigiert Tests, schreibt Rückmeldungen und stellt am Ende das Zeugnis aus. Katharina betont, dass dafür studierte Pädagoginnen und Pädagogen beziehungsweise examinierte Fachkräfte eingesetzt werden.

Der Austausch läuft vor allem per E-Mail und über persönliche Briefe. Das ist für Reisefamilien hilfreich, weil eine instabile Internetverbindung oder viele Stunden Zeitverschiebung nicht gleich den gesamten Unterricht lahmlegen. Bei Bedarf können zusätzlich Online-Stunden vereinbart werden.

Einstufung und Lerntempo richten sich nach dem Kind

Vor dem Start wird ein Einstufungstest zugeschickt, ausgefüllt und anschließend von der Lehrkraft ausgewertet. Daraus entsteht eine Empfehlung für den passenden Lernstand.

Spannend ist dabei die Flexibilität zwischen den Fächern. Ein Kind kann beispielsweise in Mathematik auf dem Stand der dritten Klasse und in Deutsch auf dem Stand der zweiten Klasse arbeiten. Die Kurse müssen also nicht zwangsläufig alle derselben Jahrgangsstufe entsprechen.

Es ist für uns sehr wichtig, dass Kinder genau nach ihrem Tempo und auch nach ihren Talenten in unterschiedlichen Richtungen lernen können – schneller oder langsamer.

Wer später wieder in eine deutsche Schule wechseln möchte, sollte den Blick auf die dort erwartete Klassenstufe trotzdem nicht verlieren. Langfristig müssen die Lernstände so zusammenpassen, dass die Wiedereingliederung gelingt.

Auch die zeitliche Planung ist flexibel. Im Gespräch nennt Katharina für einen Jahrgang meist einen Zeitraum von etwa zehn bis vierzehn Monaten. Es kann aber schneller oder langsamer gehen. Eine Buchung ist bereits ab drei Monaten möglich – praktisch für Familien, die nicht gleich ein komplettes Schuljahr unterwegs sind.

Welche Fächer es gibt und wie Zeugnisse entstehen

Welche Kurse angeboten werden, unterscheidet sich je nach Klassenstufe. Als zentrale Fächer empfiehlt Katharina Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Englisch. Daneben gibt es je nach Angebot unter anderem Religion, Musik oder Kunst. Zeitweise wurden auch Sport- und Musikkurse per Zoom angeboten.

Tests werden ähnlich wie im deutschen Schulsystem bearbeitet und von der persönlichen Lehrkraft bewertet. Ein klassisches Zwischenzeugnis gibt es nicht, dafür persönliche Rückmeldungen während des Kurses. Am Ende wird ein Abschlusszeugnis ausgestellt, das den erreichten Wissensstand dokumentiert.

Katharina berichtet, dass diese Zeugnisse bei der Rückkehr üblicherweise anerkannt würden. Einzelne Schulen verlangten zusätzlich einen eigenen Einstufungstest. Wer eine konkrete Rückkehr plant, sollte deshalb nicht nur mit der Fernschule, sondern frühzeitig auch mit der später zuständigen Schule beziehungsweise Schulbehörde sprechen.

Freiheit beim Lernen heißt nicht Lernen ohne Struktur

Der große Vorteil für Reisefamilien ist offensichtlich: Der Unterricht muss nicht jeden Tag zur gleichen Uhrzeit stattfinden. Pausen können dann gemacht werden, wenn ein Kind sie braucht. Ein Ausflug, ein Reisetag oder gutes Wetter müssen nicht zwangsläufig gegen Schule ausgespielt werden.

Man kann es sich einteilen, man kann seine Pause machen, kann sagen: Heute Nachmittag ist das Wetter gut, wir wollen surfen gehen – Schule Pause. Gar kein Problem.

Katharina berichtet auch von guten Erfahrungen mit Kindern, die im Klassenverband schwer lernen oder viele Pausen benötigen. Gleichzeitig ist das kein Versprechen, dass ein Fernschulmodell automatisch zu jedem Kind passt. Selbstständiges Lernen entwickelt sich erst, und gerade jüngere Kinder brauchen im Alltag Begleitung, Verlässlichkeit und einen Rahmen.

Für uns liegt genau darin der Unterschied zwischen Flexibilität und Beliebigkeit: Familien dürfen den Tag an ihren Reisealltag anpassen. Trotzdem bleiben Aufgaben, Rückmeldungen und Lernziele bestehen.

Vor der Reise realistisch testen

Ladet euch zunächst einen Schnupperkurs der passenden Klassenstufe herunter und probiert einige Lektionen im normalen Familienalltag aus. Beobachtet dabei nicht nur, ob euer Kind den Stoff versteht, sondern auch, wie viel Begleitung es braucht, wie lange es konzentriert arbeiten kann und ob gedruckte Materialien zu eurem Reisestil passen.

Schulbefreiung: Das Fernschulkonzept kann helfen, entscheidet aber nicht

Zum Abschluss bringt Katharina einen praktischen Hinweis für Familien mit, die ihren Wohnsitz in Deutschland behalten und das Reisen zunächst ausprobieren möchten. Ihr Vorschlag: Mit einem konkreten Bildungskonzept frühzeitig auf Lehrkräfte oder Schulleitung zugehen und transparent zeigen, wie das Kind unterwegs weiterlernt.

Die staatlich geprüften Materialien und die Orientierung an deutschen Lehrplänen könnten Schulen die Sorge nehmen, dass ein Kind nach der Rückkehr große Lücken hat. Katharina berichtet von Familien, bei denen dieses Vorgehen gut funktioniert habe.

Wichtig ist aber: Eine Fernschule erteilt selbst keine Schulbefreiung. In Deutschland gelten Schulrecht und Genehmigungsverfahren des jeweiligen Bundeslandes; eine positive Entscheidung lässt sich aus dem gewählten Unterrichtsangebot nicht automatisch ableiten. Klärt eure konkrete Situation deshalb immer rechtzeitig mit der zuständigen Schule und Behörde.

Was kostet die Deutsche Fernschule?

Eine pauschale Summe lässt sich laut Katharina nicht nennen, weil Preis und Umfang von Klassenstufe, Fächerwahl und Zahl der Geschwister abhängen. Im Gespräch nennt sie als damaligen Richtwert ungefähr 140 Euro monatlich pro Kurs. Für weitere Hauptfächer und Geschwister gab es Rabatte; Nebenfächer starteten nach ihrer Erinnerung günstiger.

Da Preise und Angebote sich seit der Aufnahme geändert haben können, solltet ihr diese Zahlen nicht als aktuelle Preisliste verstehen. Ein individuelles Angebot bekommt ihr direkt bei der Beratung der Deutschen Fernschule.

Auch das Gewicht gehört in die Kalkulation: Zwei Kinder und sämtliche Kurse können zwei große Pakete bedeuten. Die Materialien werden zwar ins Ausland verschickt, aber wer häufig den Ort wechselt oder nur mit Handgepäck reist, sollte Versandzeit, Gepäck und den nächsten Klassenwechsel mitplanen.

Schule auf Reisen beginnt mit den richtigen Fragen

Die Folge zeigt vor allem, dass Bildung unterwegs nicht zwangsläufig entweder starres Klassenzimmer oder vollkommen freies Lernen bedeuten muss. Die Deutsche Fernschule verbindet feste Lernziele und persönliche pädagogische Begleitung mit einem Alltag, den Familien zeitlich und räumlich flexibel gestalten können.

Ob das für euch passt, hängt von mehr ab als vom Reiseziel: Wie selbstständig lernt euer Kind? Wie viel Begleitung könnt und möchtet ihr leisten? Wie oft wechselt ihr den Ort? Welche rechtlichen Vorgaben gelten für euch? Und soll das Kind später in ein bestimmtes Schulsystem zurückkehren?

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, Schnuppermaterial ausprobiert und früh mit allen zuständigen Stellen spricht, bekommt eine deutlich bessere Entscheidungsgrundlage als durch die Suche nach der einen perfekten Lösung.

Weitere Informationen, Schnupperkurse und aktuelle Konditionen findet ihr auf der Website der Deutschen Fernschule. Auf Instagram ist sie unter @deutschefernschule zu finden.

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