Podcast-Interview ·

Mit dem selbst ausgebauten Van bis ans Nordkapp – Elternzeit zu fünft

Fünf Sitzplätze, fünf Schlafplätze und trotzdem ein Van, der im Alltag noch als Zweitwagen funktioniert: Laura und Marco hatten ziemlich genaue Vorstellungen davon, was ihr neuer Camper können sollte. Nur besonders viel Zeit hatten sie am Ende nicht.

Kurz vor der Abreise kamen noch der Kühlschrank und die Trockentrenntoilette an, Marco nähte die letzten Bezüge und bis zum Start wurde praktisch jede freie Minute gebaut. Dann ging es los – mit drei Töchtern, dem selbst ausgebauten Van und zwei Monaten Elternzeit Richtung Skandinavien.

In dieser Folge des NomadKids Podcasts sprechen wir mit Laura und Marco über ihren zweiten Van-Ausbau, die Reise durch Schweden und Norwegen, einen überraschend heißen Polarkreis und den Moment, in dem aus einer spontanen Route plötzlich das Nordkapp als Ziel wurde.

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Ein Van für eine fünfköpfige Familie

Laura und Marco reisen schon länger gemeinsam und hatten bereits einen kleineren Van selbst ausgebaut. Mit dem dritten Kind reichten dessen vier Sitzplätze aber nicht mehr aus. Für den nächsten Ausbau musste deshalb ein größeres Fahrzeug her, ohne gleich bei einem riesigen Reisemobil zu landen.

Die Wahl fiel auf einen Citroën Jumper L3H2, den sie im Frühjahr 2024 mit ungefähr 90.000 Kilometern kauften. Vorn gab es drei Sitzplätze, hinten kam eine Doppelsitzbank mit Gurtbock hinzu. Genau dieser Einbau war einer der Punkte, bei denen trotz Gutachten Abstimmungen mit Firma und TÜV nötig waren.

Für zusätzliche Schlafplätze ließen Laura und Marco ein Aufstelldach von einer Werkstatt montieren. Den restlichen Ausbau übernahmen sie weitgehend selbst: Dämmung, Fenster, Möbel, Elektrik und Wassersystem. Eine Nasszelle ließen sie bewusst weg, weil die hintere Sitzbank ohnehin viel Raum beanspruchte.

Der Van sollte nicht nur für diese eine Reise funktionieren. Er wird auch im Alltag als zweites Fahrzeug genutzt. Das machte die Planung noch anspruchsvoller: groß genug für fünf Menschen, aber klein genug für den normalen Alltag.

Warum die Planung beim Van-Ausbau entscheidend ist

Durch ihren ersten Ausbau wussten Laura und Marco bereits, wie wichtig es ist, mehrere Schritte vorauszudenken. Wo verlaufen Kabel? Welche Komponenten brauchen feste Maße? Wie viel Autarkie ist gewünscht? Und für welche Reiseziele soll das Fahrzeug geeignet sein?

Gerade die letzte Frage beeinflusst den gesamten Ausbau. Weil die beiden schon im skandinavischen Sommer Temperaturen um null Grad erlebt hatten, stand eine Heizung für sie nicht zur Diskussion. Strom, Wasser und Solar sollten außerdem so ausgelegt sein, dass sie möglichst unabhängig stehen konnten.

Das A und O ist wirklich die Planung. Man muss extrem viel Zeit investieren.

Nicht jedes Detail muss vor dem ersten Sägeschnitt feststehen. Laura und Marco wussten zum Beispiel ungefähr, wo die Küche hinkommt, legten aber nicht jede Schublade vorab millimetergenau fest. Die großen Komponenten mussten dagegen früh entschieden werden. Das zeigte sich beim Kühlschrank besonders deutlich: Die Möbel waren exakt auf sein Maß gebaut, eine Alternative hätte nicht mehr gepasst. Nach etwa acht Wochen Wartezeit kam er erst kurz vor der Abfahrt an.

Auch das Gewicht blieb ständig im Blick. Für die Möbel verwendeten sie besonders leichtes Sperrholz. Bei der Wohnmobilabnahme wurde für jeden der fünf zugelassenen Sitzplätze ein Personengewicht berücksichtigt; damit war die Reserve begrenzt. Die mögliche Zuladung musste schließlich nicht nur für Gepäck, sondern auch für die mitfahrenden Personen reichen.

Punktlandung statt perfekter Fertigstellung

Begonnen hatte der Ausbau schon 2024 mit Dämmung und Fenstern. Nach der Geburt der jüngsten Tochter folgte eine längere Pause. Richtig intensiv weiter ging es erst Ende März oder Anfang April vor der Reise.

Von da an bestimmte die Deadline den Alltag. Marco arbeitete vor und nach seiner regulären Arbeit sowie an den Wochenenden am Van. Am Abreisetag war er reisetauglich, aber nicht bis ins letzte Detail fertig.

Falls irgendwann noch einmal ein Van ausgebaut wird, dann auf jeden Fall ohne diesen Zeitdruck.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Camper muss für die erste Reise nicht makellos sein. Er muss sicher, zugelassen und funktional sein. Optimieren lässt sich später ohnehin immer noch. Laura und Marco wussten nach zwei Ausbauten ziemlich genau, dass ein Van wohl nie wirklich „fertig“ ist.

Zwei Wochen vor dem Start wurde aus Süden Norden

Eigentlich sollte die Elternzeitreise über Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien bis nach Griechenland führen. Für die älteste Tochter, die nur zwei Wochen mitreisen konnte, war sogar schon ein Rückflug aus Albanien gebucht.

Dann kamen kurz vor der Abreise 36 Grad in Deutschland. Besonders mit der einjährigen Tochter wurde Laura und Marco klar, dass große Hitze im Aufstelldach nicht zu ihrer Vorstellung von einer entspannten Familienreise passte. Sie stornierten den Flug, buchten stattdessen einen Rückflug ab Stockholm und ergatterten noch eine Fähre von Travemünde nach Malmö.

Am 10. Juli fuhren sie los. Für die ersten zwei Wochen stand nur der Rahmen fest: von Malmö durch Südschweden bis Stockholm, solange die große Tochter dabei war. Wie es danach weitergehen würde, ließen sie offen.

Das Nordkapp war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht das Ziel. Zunächst überlegten sie, über Finnland und das Baltikum zurückzufahren. Erst nach drei oder vier Wochen merkten sie, wie gut das Unterwegssein funktionierte – und beschlossen, weiter nach Norden zu fahren.

Reisealltag mit kleinen Kindern: erst einspielen, dann anpassen

Die ersten ein bis zwei Wochen brauchte die Familie, um ihren Rhythmus zu finden. Wann schlafen die Kinder? Wann wird gekocht? Wann lässt sich Strecke machen? Mit der ältesten Tochter waren sie anfangs zu fünft, nach ihrem Rückflug änderte sich die Dynamik noch einmal.

Für die weitere Reise funktionierten Abendfahrten am besten. Gegen halb sieben oder sieben ging es los, die beiden kleinen Kinder schliefen ein und Laura und Marco konnten drei bis vier Stunden fahren. Am Ziel mussten die Kinder nur noch ins Bett getragen werden.

Diese Lösung passte auch zum ungewöhnlich warmen Sommer. Bis zum Polarkreis erlebte die Familie zeitweise Temperaturen um 30 Grad. Statt tagsüber lange im Auto zu sitzen, verbrachten sie die Zeit lieber am See und fuhren am Abend weiter.

Unser Tipp für lange Strecken mit kleinen Kindern

Plant Fahrzeiten nicht nur nach Kilometern, sondern nach eurem Familienrhythmus. Laura und Marco nutzten die Abende, weil ihre Kinder dann schliefen und heiße Stunden am See statt im Van verbringen konnten. Gebt euch am Anfang außerdem Zeit zum Eingrooven – eine passende Routine entsteht oft erst unterwegs.

Elche, Rentiere und magisches Licht am Nordkapp

Obwohl Laura und Marco zuvor schon zweimal in Schweden gewesen waren, hatten sie dort noch nie einen Elch gesehen. Auf dieser Reise klappte es endlich: Spät am Abend lief ein Elch ungefähr 20 bis 30 Meter vor dem Van über die Straße. Der Moment dauerte nur wenige Sekunden, wurde aber trotzdem zu einem der persönlichen Highlights.

Am Stekenjokk-Plateau sahen sie dann ihre ersten Rentiere – nicht nur eins, sondern nach ihrer Schätzung gleich eine Herde von 100 bis 150 Tieren. Weiter nördlich begegneten ihnen immer wieder Rentiere, sogar in einem Tunnel.

Der emotionalste Moment wartete am Nordkapp. Die Familie übernachtete nur wenige Minuten entfernt und fuhr gegen Mitternacht mit den Kindern hinauf. Der Sonnenaufgang selbst war weniger spektakulär als erwartet. Danach aber wurde es ruhig, zeitweise waren sie fast allein und das Licht über den Klippen veränderte die ganze Stimmung.

Die Kids waren so gut gelaunt, es war richtig schön. Da hat man erst realisiert: Guck mal, wie weit wir jetzt gekommen sind.

Es war nicht nur das geografische Ziel. Dort oben stand die Familie mit dem Van, den sie unter großem Zeitdruck selbst gebaut hatte. Sie hatten die lange Strecke gemeinsam geschafft – Kinder, Eltern und Fahrzeug.

Flexibel bleiben heißt auch, die Lofoten auszulassen

Nach dem Nordkapp führte die Route durch Norwegen. Die Lofoten gehörten eigentlich fest zum Plan. Auf Senja sah die Familie allerdings, dass für etwa eine Woche Regen angekündigt war. Da nur noch zwei Wochen Reisezeit blieben, entschieden sie sich gegen das Warten und fuhren zurück nach Schweden.

Wenig später standen sie nahezu allein auf einem Campingplatz mit eigener Sauna. Der Van parkte direkt davor, die Kinder schliefen und Laura und Marco konnten den Abend zu zweit genießen.

Genau solche Momente erklären ziemlich gut, warum Flexibilität beim Vanreisen mehr ist als ein schönes Schlagwort. Die ausgelassenen Lofoten waren zunächst eine Planänderung. Ohne sie hätte es den besonderen Saunaabend aber nicht gegeben.

Was auf der Reise nicht nach Plan lief

Trotz guter Vorbereitung blieb natürlich nicht alles reibungslos. Die Babytrage lag nach dem hektischen Packen zu Hause. Dadurch mussten die Wanderungen anders ausfallen. Laura band sich aus zwei Tüchern eine Tragehilfe und schaffte damit mit den beiden Kleinen trotzdem den Weg zu einem Wasserfall.

Zwei Außenspiegel gingen ebenfalls kaputt: Einer wurde abgefahren, den anderen beschädigten sie selbst, weil beim Losfahren noch eine Wäscheleine am Fahrzeug befestigt war. Der eigentliche Ausbau funktionierte dagegen so, wie sie es sich erhofft hatten. Sie mussten während der gesamten Reise kein einziges Mal Landstrom anschließen; Fahrten und Solaranlage deckten ihren Bedarf.

Auch beim Gas hatten sie vorher kein Gefühl für den Verbrauch. Als sie in Kiruna nachfüllen ließen, kostete das laut ihrer Erinnerung nur etwa sechs Euro – die Flasche war noch ungefähr zu drei Vierteln voll.

Ein weiteres Learning betraf die Vorräte. Vegetarische Produkte waren vor allem weit im Norden selbst in größeren Supermarktketten schwerer zu bekommen als erwartet. Beim nächsten Mal würden Laura und Marco deshalb mehr haltbare vegetarische Lebensmittel und Konserven mitnehmen. Verpflegung war zugleich der größte Posten ihrer Reisekosten.

Weniger planen, weniger einpacken, trotzdem losfahren

Auf die Frage nach ihrem wichtigsten Rat antworten Laura und Marco nicht mit einer perfekten Packliste. Im Gegenteil: Obwohl sie bereits Reiseerfahrung hatten, war wieder zu viel dabei.

Fahrt raus, reist mit euren Kindern, schnappt euch eure Kinder, weil die Zeit gibt euch keiner mehr zurück.

Dabei braucht es aus ihrer Sicht nicht zwingend einen eigenen, selbst ausgebauten Van. Ein Mietcamper, eine kleinere Reise oder eine andere Form des Unterwegsseins kann genauso wertvoll sein. Entscheidend ist nicht, ob das Fahrzeug perfekt ist oder jede Ausrüstung mitkommt.

Ihre vergessene Trage ist dafür ein gutes Beispiel. Die geplanten Wanderungen wurden kleiner, aber die Reise war deshalb nicht gescheitert. Sie passten ihre Möglichkeiten an und erlebten trotzdem besondere Tage draußen.

Familienzeit auf wenigen Quadratmetern ist nicht immer romantisch

Zu fünft im Van funktioniert vor allem dann gut, wenn das Leben draußen stattfindet. Laura und Marco hatten auf ihrer Reise sehr viel gutes Wetter. An den wenigen Regentagen merkten sie deutlich, wie eng der Raum tatsächlich ist.

Mit Kindern bedeutet Regen im Camper eben nicht automatisch, gemütlich ein Buch zu lesen. Nasse Sachen, wenig Bewegung und dauernde Beschäftigung können schnell anstrengend werden. Diese Seite des Vanlife verschweigen die beiden nicht.

Gleichzeitig waren die acht Wochen für sie schneller vorbei, als sie erwartet hatten. Die dreijährige Tochter fragte zu Hause bereits, wann es wieder nach Schweden geht, und erinnerte sich an kleine Erlebnisse, die den Erwachsenen gar nicht mehr so präsent waren.

Was von acht Wochen Elternzeitreise bleibt

Laura und Marco wollten ihre Elternzeit nicht nur als Pause vom Beruf nutzen, sondern als gemeinsame Zeit. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass Familienreisen weder einen perfekten Ausbau noch einen bis ins Detail festgelegten Plan brauchen.

Der Van war bei Abfahrt noch nicht vollständig fertig. Die Balkanroute wurde kurzfristig gestrichen. Das Nordkapp kam erst unterwegs als Ziel dazu. Die Lofoten fielen wieder aus dem Plan. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – entstanden Elchbegegnung, Rentierherde, Wasserfallwanderung, Saunaabend und diese stille Nacht am Nordkapp.

Ihr eigenes Mitbringsel aus der Folge fasst das so zusammen:

Mutig ist, wer mit Kindern reist, reich ist, wer mit Erinnerungen heimkehrt.

Laura und Marco findet ihr auf Instagram unter @mitvielvantasie. Dort wollen sie auch weitere Einblicke und Material aus ihrem Van-Ausbau teilen.

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