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Unsere fünf größten Reisefails – und was wir heute anders machen

Grenzen ignoriert, mit zwei Kreditkarten derselben Bank plötzlich ohne Geld dagestanden und bei Minusgraden in kurzer Hose im Minivan gesessen: Auf unseren Reisen lief wirklich nicht immer alles nach Plan.

Zum Glück können wir über die meisten Geschichten heute lachen. In dem Moment selbst war uns allerdings überhaupt nicht danach. Vor allem nicht, als Lena in Costa Rica von einem Hund gebissen wurde und wir uns gedanklich schon auf den Weg nach Panama machten, um irgendwo einen Tollwutimpfstoff aufzutreiben.

In Folge 26 des NomadKids Podcasts erzählen wir von unseren fünf größten Reisefails. Nicht, weil wir besonders stolz darauf sind, sondern weil fast jeder davon vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht ersparen euch unsere Fehler also irgendwann eine Taxifahrt mitten in der Nacht, 48 Stunden mit einer halben Packung Müsli oder sehr, sehr kalte Beine ;)

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Reisefail 1: Mit dem Mietwagen an der Grenze auf Zypern

Am Ende unserer letzten Weltreise flogen wir nach Zypern. Wir wussten natürlich, dass die Insel geteilt ist. Was wir nicht ausreichend geprüft hatten: Was bedeutet diese Teilung konkret für unseren Mietwagen?

Eine Unterkunft lag im griechisch-zyprischen Teil, die andere im Norden der Insel. Erst bei der Abholung erklärte uns der Vermieter, dass seine Versicherung dort nicht gilt. Für die Fahrt über die Grenze brauchten wir eine zusätzliche Versicherung.

Das wäre tagsüber vermutlich schnell erledigt gewesen. Wir kamen aber erst gegen 20 Uhr an der Grenze an – und der Schalter für die Versicherung war bereits geschlossen. Die Grenzbeamten ließen uns mit dem Auto nicht weiterfahren. Also blieb der Mietwagen stehen, wir luden unsere müden und teilweise schlafenden Kinder in ein Taxi um und zahlten 50 Euro für die Fahrt zum Hotel.

Am nächsten Morgen folgte das gleiche Spiel zurück: noch einmal 50 Euro für das Taxi, dann die zusätzliche Versicherung kaufen und schließlich mit dem eigenen Mietwagen über die Grenze.

„Das war halt total unnötig, ehrlich gesagt.“

Ja. Treffender können wir es kaum zusammenfassen.

Unser Learning: Einreisebestimmungen allein reichen bei einer Reise mit Mietwagen nicht. Prüft auch Grenzregionen, ausgeschlossene Gebiete und den räumlichen Geltungsbereich der Versicherung. Und wenn für den Grenzübertritt vor Ort noch etwas gekauft werden muss, schaut euch vorher unbedingt die Öffnungszeiten an.

Reisefail 2: Kreditkarten dabei – und trotzdem kein Geld

Diese Geschichte liegt mehr als zehn, wahrscheinlich sogar über 15 Jahre zurück. Wir waren in Südamerika unterwegs und hatten Visa und Mastercard dabei. Klingt erst einmal vernünftig. Der entscheidende Fehler: Beide Karten kamen von derselben Bank.

Schon in Brasilien funktionierte das Geldabheben nicht an jedem Automaten. Irgendeine Bank gab uns aber immer Bargeld, also machten wir uns darüber nicht allzu viele Gedanken. In Chile ging dann plötzlich gar nichts mehr. Kein Bargeld am Automaten, keine Kartenzahlung – und unsere Reserven waren aufgebraucht.

Wir baten Björns Vater, bei der Bank nachzufragen. Dort wurde der Anruf offenbar als möglicher Betrugsversuch gewertet und das Konto komplett gesperrt. Um es wieder freizuschalten, sollten wir aus Südamerika ein Fax mit Passkopien schicken. Selbst nachdem das geschafft war, dauerte die Freischaltung noch ungefähr 48 Stunden.

Unser gerade bezogenes Hotel konnten wir nicht bezahlen. Der Mitarbeiter ließ uns trotzdem bleiben und lief sogar mit uns von Bank zu Bank. Das war unglaublich hilfsbereit. Zu essen hatten wir allerdings nur noch eine halbe Packung Müsli im Rucksack.

Die Lösung kam schließlich über Western Union. In einem etwas dubios wirkenden Hinterzimmer konnten wir Geld abholen, das uns aus Deutschland geschickt worden war. Danach konnten wir das Hotel bezahlen – und endlich wieder richtig essen.

Seitdem verteilen wir unser Reisegeld deutlich besser:

  • Karten verschiedener Anbieter mitnehmen, etwa Visa und Mastercard
  • nicht alle Karten bei derselben Bank führen
  • Karten getrennt voneinander aufbewahren
  • eine Bargeldreserve in Euro oder US-Dollar dabeihaben
  • vorab prüfen, welche Karten im Reiseland verbreitet akzeptiert werden

Zwei Karten sind eben noch kein echtes Backup, wenn ein einziges gesperrtes Konto beide gleichzeitig unbrauchbar macht.

Reisefail 3: Kurze Hose bei minus fünf Grad

San Pedro de Atacama in Chile war heiß. Wir liefen tagsüber in kurzen Sachen herum und buchten für den nächsten Morgen eine Tour zu heißen Quellen. Was wir dabei komplett ausblendeten: Die Tour führte auf etwa 4.000 Meter Höhe.

Mitten in der Nacht stiegen wir in kurzer Hose und T-Shirt in den Bus. Der Fahrer fragte noch scherzhaft, ob wir aus dem Norden kämen. Erst oben merkten wir, was er damit meinte. Statt Wüstenhitze erwarteten uns Temperaturen unter null, laut unserer Erinnerung ungefähr minus fünf Grad.

Wir hatten weder Pullover noch Fleecejacke dabei. Während die anderen Gäste draußen die heißen Quellen erlebten und Eier darin kochten, saßen wir zwei bis drei Stunden im ebenfalls kalten Minivan. Der Fahrer brachte uns gekochte Eier herein, die kurzerhand zu unseren Handwärmern wurden.

Seitdem schauen wir bei Ausflügen nicht nur auf den Startpunkt und das Wetter in der Unterkunft. Höhe, Tageszeit und Fahrtstrecke können die Temperatur komplett verändern. Der Zwiebellook ist selten die spektakulärste Reiseerkenntnis – aber eine ziemlich nützliche.

Reisefail 4: Wenn eine Unterkunft verdächtig günstig ist

Die allermeisten unserer vielen Unterkünfte waren gut. Ein paar Ausnahmen haben sich allerdings sehr zuverlässig ins Gedächtnis eingebrannt.

Am Toten Meer in Jordanien suchten wir eine bezahlbare Alternative zu den teuren Hotels. In Swemeh buchten wir über Airbnb ein Zimmer für etwa 70 bis 75 Euro pro Nacht. Bewertungen gab es noch keine. Wir dachten trotzdem: Was soll schon groß schiefgehen?

Eine Menge, wie sich herausstellte. Zunächst war der Besitzer nicht auffindbar. Im Zimmer erwarteten uns dann ein kaputter Lattenrost, kein fließendes Wasser, eine nicht benutzbare Toilettenspülung, schmutziges Geschirr, verschimmelte Kissen und kein Internet. Um den Gastgeber überhaupt kontaktieren zu können, mussten wir mit dem Auto zu einem Fast-Food-Restaurant mit offenem WLAN fahren.

Für einen kurzfristigen Wechsel war es inzwischen zu spät, die anderen Hotels waren zu teuer. Also legten wir uns vollständig angezogen auf die Betten, überstanden die Nacht und aßen am nächsten Morgen Müsli aus einer Pfanne, weil sie noch am saubersten aussah.

Unsere Zwei-Euro-Unterkunft nahe der Khao San Road in Bangkok war kaum besser: ein fensterloses Zimmer mit verschimmelter Decke, Holzbrett statt Matratze, nicht abschließbarer Tür und verstopfter Toilette. Damals waren wir noch ohne Kinder unterwegs, hatten Hostelschlafsäcke dabei und blieben tatsächlich die gebuchten drei Nächte.

Heute würden wir bei Unterkünften genauer hinschauen:

  • aktuelle Bewertungen lesen, nicht nur Fotos ansehen
  • bei neuen Unterkünften ohne Rezensionen vorsichtig sein
  • einen auffällig niedrigen Preis realistisch einordnen
  • im Zweifel zunächst nur wenige Nächte buchen
  • prüfen, wie und wann der Gastgeber erreichbar ist

Günstig reisen ist wunderbar. Aber ein Preis, der zu gut klingt, um wahr zu sein, ist manchmal tatsächlich genau das.

Reisefail 5: Krank auf Reisen – und der Hundebiss in Costa Rica

Krankheiten halten sich leider nicht an Reisepläne. Das haben wir gleich mehrfach gelernt.

Bei einem Stopover in Sydney lagen wir fast die gesamte Zeit im Hotelzimmer: Lena hatte sich bei unserer damals zehn Monate alten Tochter mit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit angesteckt und über 40 Grad Fieber. Björn hatte gleichzeitig einen Magen-Darm-Infekt. Dazwischen war ein Baby, das gestillt und beschäftigt werden wollte. Pünktlich zum Weiterflug nach Neuseeland ging es uns wieder einigermaßen gut – von Sydney gesehen hatten wir allerdings kaum etwas.

In Brasilien erwischte es Lena erneut, nachdem wir Obst mit Leitungswasser abgewaschen hatten. Ihr ging es danach ungefähr eine Woche richtig schlecht.

Die nervenaufreibendste Geschichte passierte aber in Costa Rica. Auf dem Weg zu einem Park nahe Arenal liefen zwei bellende Hunde auf uns zu. Wir gingen ruhig weiter, bis einer Lena von hinten in die Wade biss. Im Park wurde die Wunde desinfiziert und verbunden. Danach machten wir erst einmal die geplante Tour.

Zurück in der Unterkunft kam der Gedanke: Was, wenn der Hund Tollwut hatte?

„Bis wir wieder zurück in der Unterkunft waren und mir plötzlich so der Gedanke kam: Es gibt ja Tollwut. Was ist, wenn dieser Hund jetzt Tollwut hatte?“

Lena war bereits gegen Tollwut geimpft. Trotzdem gingen bei uns sofort alle Alarmglocken an. Wir riefen Krankenhäuser, Apotheken, Ärzte, Tierärzte und unsere Reisekrankenversicherung an. Einmal wurde uns statt des gesuchten Tollwutimpfstoffs eine Tetanusimpfung angeboten. Dann hieß es, den Impfstoff gebe es möglicherweise nur in Panama. In unserem Kopf waren wir schon kurz davor, die Sachen zu packen.

Erst ein Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst in Deutschland brachte uns auf die entscheidende Frage: Gab es zu diesem Zeitpunkt in Costa Rica überhaupt Tollwut bei Hunden?

Unsere damalige Recherche ergab, dass Tollwut im Land zwar bei Fledermäusen vorkam, bei Hunden aber seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten war. Daraufhin ließen wir die hektische Impfstoffsuche sein.

Wichtig: Unsere Geschichte ist keine medizinische Empfehlung. Tierbisse müssen fachgerecht versorgt und das individuelle Tollwutrisiko medizinisch beurteilt werden. Der Punkt dieser Anekdote ist ein anderer: Unter Zeitdruck und mit Angst im Kopf haben wir nach einer bestimmten Lösung gesucht, bevor wir die tatsächliche Risikolage sauber geklärt hatten.

Was wir aus unseren Reisefails gelernt haben

Keiner dieser Momente beweist, dass Reisen besonders gefährlich ist. Im Gegenteil: Wir wurden nie ausgeraubt, hatten keinen schweren Unfall und verpassten keinen Flug. Unsere größten Probleme entstanden meistens durch fehlende Vorbereitung, eine falsche Annahme oder den Versuch, besonders günstig davonzukommen.

„Alles, was uns passiert ist, war eigentlich immer aus Dummheit, muss man fast schon sagen.“

Wir würden es heute etwas freundlicher formulieren: Es waren Fehler, aus denen wir ziemlich viel gelernt haben.

Unser Kurzcheck vor der nächsten Reise

Prüft Grenzen und Versicherungsgebiete, verteilt Karten auf mehrere Banken, schaut bei Ausflügen auf Höhe und Temperatur, lest aktuelle Unterkunftsbewertungen und notiert euch vorab medizinische Anlaufstellen. Dazu gehören auch die Bedingungen eurer Airline – ein vergessener Online-Check-in kostete uns bei Ryanair einmal 50 Euro pro Person und damit insgesamt 200 Euro.

Perfekt vorbereitet ist man trotzdem nie. Und das muss man auch nicht sein. Aber zwischen „Wir bleiben flexibel“ und „Das wird schon irgendwie“ liegt manchmal eben eine geschlossene Versicherungsbude, eine halbe Packung Müsli oder ein gekochtes Ei als Handwärmer.

Wenn bei euch unterwegs auch schon einmal alles schiefging: Ihr seid definitiv nicht allein. Im Nachhinein werden aus den schlimmsten Reisemomenten erstaunlich oft die Geschichten, die man am längsten erzählt.

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