Podcast-Interview ·

In zehn Monaten um die Welt – und ungeplant im Oman gestrandet

Was würdest du machen, wenn alles möglich wäre? Als Kathi diese Frage gestellt wurde, kam die Antwort ziemlich schnell: eine Weltreise. Die Kinder aus der Schule nehmen, gemeinsam losziehen und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen.

Direkt danach meldete sich allerdings der Kopf: Das geht doch nicht. Oder?

Kathi und Fabian haben sich trotzdem Schritt für Schritt an ihren Traum herangewagt. Im September brachen sie mit ihren Zwillingstöchtern Emma und Lea aus Oberösterreich auf. Knapp zehn Monate später lagen Australien, Südostasien, Tansania, Sansibar, der Oman und Sri Lanka hinter ihnen – dazu unzählige kleine Momente, die auf keiner Bucket List standen.

Im NomadKids Podcast sprechen wir darüber, wie Unterricht unterwegs funktioniert hat, warum sie beim Reisen heute langsamer machen würden und wie aus einem Visa-Problem eine der schönsten Überraschungen der ganzen Reise wurde.

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Vom Gedanken zur echten Weltreise

Zwischen „Das wäre mein Traum“ und „Wir buchen den ersten Flug“ lagen bei Kathi und Fabian viele kleine Entscheidungen. Für Kathi gab es im Job keine passende Auszeitlösung, also kündigte sie. Fabian konnte ein Sabbatical nehmen und danach in seinen Beruf zurückkehren.

Auch die Schulfrage wirkte anfangs größer, als sie am Ende war. Nicht weil es gar keine Vorgaben gab, sondern weil die Familie erst einmal den Mut finden musste, Verantwortung für das Lernen selbst zu übernehmen.

„Diese Erlaubnis, das war eher so die Schwierigkeit für uns als Eltern: Trauen wir uns das zu?“

Der erste Flug führte nach Bali. Weil für das Visum bereits ein Ausreiseflug nötig war, buchten sie direkt weiter nach Australien. Mehr stand zunächst nicht fest. Aus der Idee, nur kurz in Australien zu bleiben, wurden sechs Wochen. Danach ging es von Sydney nach Bangkok, über Weihnachten durch Thailand und mit dem Zug weiter nach Malaysia. Später folgten Tansania und Sansibar, der unerwartete Umweg in den Oman und ein Monat in Sri Lanka.

Diese Mischung aus grobem Rahmen und spontanen Entscheidungen passte zu ihnen. Gleichzeitig merkten sie unterwegs: Viele Ortswechsel sind mit Kindern anstrengender als früher beim Backpacking.

Schule unterwegs: Bücher im Gepäck und eine Prüfung zu Hause

In Österreich gilt Unterrichtspflicht. Für Emma und Lea konnte die Familie deshalb häuslichen Unterricht anmelden, sofern sie die Anforderungen der Bildungsdirektion erfüllte. Die beiden nahmen dieselben Bücher mit, die sie auch in ihrer Klasse genutzt hätten, und arbeiteten sie unterwegs von vorne bis hinten durch.

Eine Online-Schule brauchten sie dafür nicht. Weil die Zwillinge in derselben Klasse waren, konnten sie parallel an den gleichen Themen arbeiten. Ganz konfliktfrei war das natürlich nicht. Eine Erklärung von Mama wird manchmal anders angenommen als dieselbe Erklärung von einer Lehrerin – das kennen wohl ziemlich viele Familien ;)

Die vorgeschriebene Prüfung am Ende des Schuljahres konnte nicht online stattfinden. Deshalb unterbrach die Familie ihre Reise und kam etwas früher zurück, damit die Mädchen sich in Ruhe darauf vorbereiten konnten.

Der eigentliche Lerngewinn ging für Kathi und Fabian ohnehin weit über Schulbücher hinaus. Sie beobachteten, wie ihre Töchter offener, flexibler und selbstständiger wurden: auf andere Menschen zugehen, Grenzen setzen, neue Situationen aushalten und immer wieder in einer unbekannten Umgebung ankommen.

„Sie haben so viel mehr gelernt als das, was in den zwei Büchern gestanden ist.“

Wichtig: Die Regeln zu Schulpflicht, häuslichem Unterricht und Prüfungen unterscheiden sich je nach Wohnsitz und können sich ändern. Wer eine längere Reise plant, sollte die aktuell geltenden Vorgaben direkt mit Schule und zuständiger Behörde klären.

Australien im Wohnmobil: Aus kurz wurden sechs Wochen

Australien bereiste die Familie mit dem Wohnmobil entlang der Ostküste bis nach Sydney. Koalas in freier Umgebung zu sehen, gehört für sie bis heute zu den großen Erinnerungen der Reise.

Das Wohnmobil war allerdings nur eine von mehreren Reiseformen. In Asien und Afrika nutzten sie viele öffentliche Verkehrsmittel und übernachteten überwiegend in Hotels, Hostels oder anderen festen Unterkünften. Nach der Schulprüfung folgte außerdem noch eine Balkantour im eigenen Wohnmobil.

Welche Variante besser ist? Darauf haben Kathi und Fabian keine pauschale Antwort. Eine feste Unterkunft kann nach vielen Ortswechseln genau das sein, was die Familie braucht. Mal hilft ein Pool mit Vollpension beim Durchatmen, mal passt ein einfaches Hostel mit Selbstversorgung besser.

Rückblickend würden sie bei einer weiteren langen Reise vor allem eines verändern: länger an einem Ort bleiben. Denn jedes Packen, Weiterfahren und Neuankommen kostet Energie – selbst wenn die nächste Station noch so spannend klingt.

Tansania: herausfordernd und unvergesslich

Tansania war für Kathi zugleich Höhepunkt und herausforderndstes Reiseland. Für die Planung holte sich die Familie Unterstützung. Von Dar es Salaam ging es mit dem Zug zu einem kleinen Nationalpark. Dort erlebten sie innerhalb von zwei Nächten das ganze Unterkunftsspektrum: erst sehr einfach und wenig einladend, danach eine Lodge, die Kathi am liebsten gar nicht mehr verlassen hätte.

„Das war der einzige Moment, wo ich Tränen in den Augen gehabt habe und dachte: Nein, ich will da jetzt nicht weg, ich will da jetzt bleiben.“

Nach der Safari reisten sie über Dar es Salaam nach Sansibar. Für Familien können sie die Insel empfehlen, würden aber besonders auf eine Unterkunft achten, in der sich wirklich alle wohlfühlen. Zu ihren eindrücklichsten Erlebnissen gehörte dort das Schwimmen mit Delfinen, die unter ihnen hindurchzogen und von selbst näher kamen.

Safari in Tansania, Delfine vor Sansibar, Koalas in Australien: Wenn die Familie ihre größten Erinnerungen aufzählt, geht es auffallend oft um Tiere. Solche Begegnungen blieben stärker hängen als viele bekannte Gebäude und Sehenswürdigkeiten.

Im Oman gestrandet – wegen eines fehlenden Transitvisums

Eigentlich sollte es von Tansania über Indien nach Sri Lanka gehen. Für den etwa siebenstündigen Transit in Indien hatte die Familie jedoch kein Visum. Online fand sie vorab keine eindeutige Antwort und wollte die Frage bei der Ankunft klären.

So weit kam es nicht: In Dar es Salaam durfte die Familie den Flug nicht antreten. Am Flughafen mussten Kathi und Fabian kurzfristig umbuchen und eine Alternative organisieren. Für die Einreise in den Oman brauchten sie einen Unterkunftsnachweis und einen Weiterflug – in ihrem Fall nach Sri Lanka.

Mit vollem Kopf und reichlich Frust landeten sie schließlich ungeplant in Maskat. Sie wussten kaum etwas über das Land, hatten keine lange Wunschliste vorbereitet und nur zwei Nächte Zeit. Genau daraus wurde eine der positivsten Überraschungen ihrer Reise.

„Wir haben wirklich gar nichts gewusst drüber. Und deswegen, glaube ich, war es dann auch so: Wow, wir sind jetzt ganz ungeplant gelandet.“

Die Ruhe, die niedrige Bebauung, die Weite und vor allem die offenen, freundlichen Begegnungen beeindruckten sie. Sie fuhren eine Runde in der Gegend um Maskat und waren sich danach einig: In den Oman möchten sie noch einmal zurückkehren – dann mit mehr Zeit.

Die Geschichte ist trotzdem kein Plädoyer dafür, Einreise- oder Transitregeln locker zu nehmen. Sie zeigt eher, wie entscheidend beides ist: vorab belastbare Informationen einzuholen und trotzdem beweglich zu bleiben, wenn ein Plan scheitert.

Vor jedem Flug mit Umstieg prüfen

Kontrolliert nicht nur die Einreisebestimmungen eures Ziellandes, sondern auch die Transitregeln jedes Umsteigelandes – passend zu euren Pässen, der Aufenthaltsdauer und einem möglichen Terminalwechsel. Verlasst euch bei unklaren Angaben nicht allein auf Suchergebnisse, sondern prüft offizielle Stellen und fragt zusätzlich bei der Airline nach. Speichert Buchungsbestätigungen, Unterkunftsnachweise und Weiterflüge so, dass ihr sie auch offline vorzeigen könnt.

Sri Lanka: schönes Land, aber nicht ihr Lieblingsziel

Nach dem Oman verbrachte die Familie einen Monat in Sri Lanka. Weil das Schuljahresende näher rückte, blieb sie in einer festen Unterkunft und erkundete die Umgebung mit einem kleinen Mietwagen.

Das Land selbst gefiel ihnen, der Alltag vor Ort forderte sie aber stark. Märkte waren laut und wuselig, Straßen teilweise extrem schmal und die Kinder wurden häufig angefasst. Gerade für die Mädchen war diese Aufmerksamkeit unangenehm. In Kombination mit Lärm, Verkehr und anderen Hygienestandards wurde Sri Lanka für sie zum Ziel, das in ihrer persönlichen Rangliste eher hinten landete.

Das ist keine allgemeine Bewertung des Landes, sondern ihre individuelle Erfahrung nach vielen Reisemonaten. Rückblickend konnten sie Sri Lanka mehr abgewinnen als in der Situation selbst. Auch das gehört zu einer ehrlichen Langzeitreise: Ein schönes Land muss nicht automatisch gut zur eigenen Familie und zum jeweiligen Zeitpunkt passen.

Was Kinder auf Weltreise wirklich brauchen

Emma und Lea machten die vielen Veränderungen insgesamt gut mit. Die Eltern achteten darauf, dass nicht jeder Tag aus Sightseeing bestand. Wenn ein Besichtigungstag anstand, folgten danach bewusst Tage mit Spaß, Bewegung und weniger Programm.

Diese Balance klingt simpel, ist unterwegs aber Gold wert. Kinder interessieren sich nicht automatisch für jede Sehenswürdigkeit, nur weil Erwachsene sie beeindruckend finden. Gleichzeitig können sie erstaunlich flexibel sein, wenn ihre Bedürfnisse ernst genommen werden.

Kathi und Fabian sahen, wie ihre Töchter lernten, mit fremden Menschen zu sprechen – und ebenso klar zu sagen, wenn sie das gerade nicht wollten. Neue Länder, Unterkünfte und Kulturen machten sie anpassungsfähiger. Wieder zu Hause genossen sie ihre Freunde und den vertrauten Alltag, fragten aber bald, wann die nächste Reise losgeht.

Weniger Gepäck, weniger Tempo, mehr Raum

Beim Start hatte die Familie vier Aufgabegepäckstücke dabei. Unterwegs reduzierten sie auf zwei. Als Oma und Opa sie in Thailand besuchten, gingen viele Kilos mit zurück nach Hause. Zusätzlich verschenkten oder entsorgten sie Spielzeug, zu klein gewordene Kleidung und Dinge, die niemand benutzt hatte.

Die zweite Erkenntnis betrifft das Tempo: Würden sie noch einmal starten, wären längere Aufenthalte in festen Unterkünften ganz oben auf der Liste. Ob sie das wirklich durchhalten würden, wissen sie selbst nicht – die Neugier auf den nächsten Ort ist schließlich auch Teil ihrer Art zu reisen.

Beim Budget nennen sie bewusst keine vermeintlich allgemeingültige Monatssumme. Für das gesamte Jahr brauchten sie mehr als 50.000 Euro. Australien und die Reise in Tansania waren teuer, Thailand deutlich günstiger. Flüge, Saison, Route, Unterkunftsstandard und besondere Erlebnisse verändern die Kosten enorm.

Ein Kinderbuch aus dem Reiseunterricht

Schreiben gehörte zum Unterricht, sorgte bei Emma und Lea aber nicht immer für Begeisterung. Tagebuch und klassische Schulgeschichten waren irgendwann einfach langweilig. In Australien fanden die Mädchen zwei Kuscheltiere: Coco und Jumpy. Statt über irgendein vorgegebenes Thema zu schreiben, erfanden sie Abenteuergeschichten aus der Perspektive der beiden.

Parallel sprachen sie an schönen Stränden immer wieder von den Malediven. Die Eltern machten daraus einen spielerischen Deal: Schreibt ein Buch, verkauft es und ladet uns dorthin ein.

Aus dem Hirngespinst wurde tatsächlich ein Buch. Die Mädchen schrieben weiter, Kathi fügte die Geschichten zusammen und kümmerte sich um die Bilder. Veröffentlicht wurde es über Amazon KDP. Damit wurde aus einer Unterrichtsaufgabe ein echtes Familienprojekt – mit Geschichtenaufbau, Gestaltung und ersten Ideen dazu, wie ein eigenes Produkt seinen Weg zu Leserinnen und Lesern findet.

Das Kinderbuch von Emma und Lea ist über Amazon erhältlich.

Einfach machen – aber nicht alles auf einmal

Kathi und Fabians wichtigster Rat ist nicht, sofort Job und Alltag für eine Weltreise aufzugeben. Er ist viel kleiner und dadurch vielleicht hilfreicher: anfangen.

„Einfach machen, einfach tun. Dann kommen die Möglichkeiten.“

Wer finanziell oder organisatorisch noch nicht bereit für zehn Monate ist, kann erst einmal fünf Wochen verreisen. Genau das hatte die Familie einige Jahre zuvor in Italien gemacht. Eine längere Testreise zeigt, wie viel Nähe sich gut anfühlt, welches Tempo zur Familie passt und was unterwegs wirklich gebraucht wird.

Und dann wäre da noch die Frage, mit der alles begann: Was wäre, wenn alles möglich wäre?

Vielleicht lautet die Antwort Weltreise. Vielleicht etwas ganz anderes. Kathi lädt dazu ein, sich überhaupt einmal ein paar ruhige Minuten zu nehmen und hinter Job, Terminen und den vielen Rollen im Alltag zu schauen, welcher Wunsch dort noch wartet.

Kathi und Fabian findet ihr auf Instagram unter @traumlebenjetzt.

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